Willkommen bei ClassicPassion Foren ClassicPassion Forum Eine Griechisch-Pommersche Tragödie

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  • #1058
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    – oder, frei nach Jean Paul:

    Wie wir nach Carlstein fuhren, um einen KFZ-Schlosser zu verprügeln.

    Unlängst saß ich mit meinem Freund A.P. zusammen, wir tranken Ouzo auf Eis und sprachen über dieses und jenes und auch über einige seiner Fahrzeuge. Dazu muß ich sagen, daß ich den Überblick über seine Fahrzeuge verloren habe, einige, wenige Exemplare sind mir durchaus bekannt, aber es gibt da wohl noch einige andere Fahrzeuge…

    Beiläufig erzählte er, daß die Werkstatt, in der die Blecharbeiten an seinem Glas 1300 GT ausgeführt wurden, soweit fertig sei, daß der Wagen zum Lackierer könne, nur noch die Motorhaube müsse überarbeitet werden und dafür hätte der Mann keine Kapazitäten, das Auto solle nunmehr nach Berlin kommen, er würde einen Anhänger mieten, ob ich ihm eventuell nochmals „Schröder“, meinen größeren Volkswagen mit abnehmbarer Hängerkupplung, ausleihen könnte, der Wagen stünde in einem der fünf neuen Bundesländer, in Mecklenburg Vorpommern. Ich schlug vor, daß wir doch daraus einen gemeinsamen Ausflug machen und das kleine Coupé nach Berlin transportieren könnten, eine schöne Abwechslung in Zeiten des Coronavirus‘, zumal solche Aktivitäten ja zu Zweit immer einfacher zu bewerkstelligen sind, gesagt, getan, Herr P. mietete für den 30. April einen Anhänger, ich tankte Schröder voll und um 9.00 Uhr trafen wir uns, um gemeinsam die Reise gen Norden anzutreten.

    Mit gemütlichen 100 km/h rollten wir aus Berlin heraus, Frau Mutter und Herr von Karajan untermalten unsere Fahrt musikalisch aus den Tiefen des Handschuhfaches und wir waren guten Mutes, nach zweistündiger Fahrt näherten wir uns dem Pommerschen Dorf, die Spannung stieg, Herr P. freute sich sichtlich auf das Wiedersehen mit der eleganten Frua-Kreation und ich war gespannt, zählt doch das kleine Glas Coupé zu den Autos meiner Kindheit, die Gattin unseres Nachbarn hatte solch ein Auto in einem feinen Hellblau-Metallic.

    Das, was wir dann sehen mußten, verschlug uns allerdings beiden die Sprache. Mir vor Schreck, Herrn P. vor tief empfundener Trauer.

    Das, was da vor uns stand, das waren die Reste eines einstmals feinen, eleganten, kleinen Sportwagens, der als leicht angerosteter, intakter und vollständiger Scheunenfund zum Karosseriebauer geliefert wurde, zusammen mit den neuen Reparaturblechen für Schweller und Kotflügel.

    Diese hatte der junge Mann mit mäßiger Fertigkeit auch eingeschweißt, jedenfalls teilweise, irgendwann hatte er nach Erhalt erheblicher Zahlungen aber ganz offensichtlich die Lust an der Arbeit verloren, daß teilweise zerlegte Auto aus der Halle geschoben und im Freien drei Jahre seinem Schicksal überlassen.

    Mein Freund A.P. kämpfte mit den Tränen, wahrte aber die Form, wir verluden das arme, kleine Auto gemeinsam auf den Anhänger, der gänzlich unkommunikative junge Mann empfahl uns noch, die Motorhaube festzubinden, damit diese nicht verloren ginge und schlurfte dann grußlos in seine Werkstatt, um weiteren Schaden anzurichten.

    Schröder, Herr P. und ich fuhren mit den Überresten eines Traumautos im Schlepp vom Hof, aufgrund der verordneten Schließungen wegen des Coronavirus‘ ergab sich keine Möglichkeit, daß wir uns angemessen betrinken konnten, ersatzweise kauften wir uns an der Tankstelle an der Bundesstraße zwei Dosen Warsteiner und leerten diese unter den mitleidigen Blicken der einheimischen Bevölkerung.

    Ich schlug vor, umzudrehen und den jungen Mann vollumfänglich zu verprügeln, so wie es in Jean Pauls Geschichte „Dr. Katzenbergers Badereise“ beschrieben wird, in der eben jener Dr. Katzenberger nach Baden Baden reist, um einen Kritiker zu verprügeln. Herr P. meinte allerdings, daß er dazu nach diesem Anblick nicht mehr die Kraft habe, so verschoben wir die Anwendung körperlicher Gewalt gegen einen unserer Brüder aus den neuen Bundesländern auf einen späteren Zeitpunkt.

    Schweigend und ohne Frau Mutter und Herrn von Karajan traten wir die Heimreise nach West Berlin an, ein wirklich schwerer Moment war noch, als dem Inhaber der Werkstatt, in der die „Restarbeiten“ ausgeführt werden sollten, Herrn S., einem ruhigen, realistischen Ostfriesen, den wenig erschüttern kann, beim Anblick des Wagens die Worte „Ach Du heilige Scheiße!“ über die Lippen kamen, bevor er seine Mitarbeiter mit brüchiger Stimme anwies, den Wagen zu abzuladen und in die Halle zu schieben.

    Schweigend brachten wir den Anhänger zurück und wandten uns ausgiebig dem Ouzo zu…

    Fortsetzung folgt.

     

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #1059
    Avatar-FotoSechskommadrei
    Teilnehmer

    Da fehlen einem wirklich die Worte … wie kommt denn so eine „Werkstatt“ überhaupt noch an Aufträge???

    Erschüttert,

    6,3

    Bodenwerder: klimaneutral seit 1963!

    #1062
    Avatar-FotoSan Remo
    Administrator

    Kann ich irgendwie, medizinisch helfen, dass ist ja noch schlimmer als Sie das am Telefon beschrieben hatten.

    Traurig, empörte Grüße   San Remo

    P.S. Soll ich den „Dicken“ losschicken?

    So lange ich hier was zu sagen habe, wird es kein Formel 1 Rennen in Bodenwerder geben! Bernie Ecclestone NZZ vom 24.07.2020

    #1079
    Avatar-FotoDominik
    Teilnehmer

    Ich kenne das Autodoch, das wurde doch von einem Verkäufer aus meinem Ort verkauft.

    Die Blecharbeiten sehen übel aus! Falls ihr einen wirklich guten Mann für die Blecharbeiten braucht ich habe hier jemanden der sogar die Bleche spengelt. Ist aber auch nicht günstig (bzw. er ist günstig macht es aber perfekt was dann mehr kostet weil es länger dauert).

    Sehr schade um das Auto

    Rennfahrer aus Bodenwerder sucht Festanstellung in der großen weiten Welt, Reisebereitschaft bis 50km vorhanden.

    #1085
    Avatar-Fotomove
    Teilnehmer

    Sorry.

    Da fehlen mir die Worte für beide Seiten. Hat man nicht mal Fortschrittsbilder machen lassen oder mal einen Kumpel hingeschickt. Ich meine 2h mit dem Hänger, ist knapp 1,5h ohne Hänger.

    Drankriegen tuste den eh nicht mehr. Auto kaputt, Kohle kaputt und um Erfahrungen reicher…

    Das ist bitter und sowas tut mir auch immer etwas weh.

     

    move
    EILMELDUNG!!!
    Bodenwerder gewinnt Deutschlandpreis "Unser Dorf soll schöner werden"

    #1086
    Avatar-FotoNordlicht
    Teilnehmer

    Moin,

    da blutet einem das Herz, Hut ab, das sie noch nach diesem Tiefschlag sich die Tour nach Hause auf sich genommen haben.

    Wenn man sowas sieht, unwahrscheinlich, das ruiniert den Ruf eines ganzen Gewerbes, zumal das FZ anscheinend auch noch „von hier“ kommt (CUX – Kennzeichen).

    Ich verstehe leider nicht, warum man ein FZ drei Jahre da lässt, sogar noch Geld bezahlt und dann nicht mal kontrolliert, mir unverständlich (Sorry, weis nicht, wie ich das anders beschreiben soll ).

    Bei uns ist der Kunde immer Quasi „mit dabei“, jeder Schritt wird mit Fotos dokumentiert und da man als WKS natürlich nicht alles vorfinanzieren kann, gibt es nach gewissen Arbeitsschritten eine Rechnung, nachdem der KD. die bis dahin geleistete Arbeit abgenommen hat, meistens so alle 2 Monate, so bezahlt der Kunde nur die geleistete Arbeit. Ich hoffe, das das Fz wieder vernüftig gemacht wird, vielleicht sieht man es ja bald wieder hier im Landkreis Cuxhaven fahren, Toi,Toi,Toi.

    MfG Nordlicht

    #1161
    Avatar-FotoLandstreicher
    Teilnehmer

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Jahren, 1 Monat von Avatar-FotoLandstreicher.

    LG
    Peter

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