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  • #5532
    Avatar-FotoSechskommadrei
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    Liebe Mitforisten,

    das ist zwar kein typisches „Auto“-Thema, aber dennoch … irgendwie „classic“: am 8. November, also nächste Woche Sonntag, soll der Flugbetrieb in Berlin Tegel enden. Viele Male bin ich – zumeist von Frankfurt – dort gelandet und wieder abgeflogen. Das wird jetzt nie mehr so sein, und ich weiß nicht, ob ich jemals auf dem BER landen möchte oder nicht gleich besser den Zug nehme. Meine Stimmungslage trifft gut, was Peter Voegeli, Deutschland-Reporter des SRF, in einem Rückblick sagt:

    „TXL war Berlin. 1948 haben die Berliner diesen Flughafen selbst in neun Monaten für die Luftbrücke gebaut, als die Sowjetunion Westberlin aushungern wollte. TXL war immer das Tor zur Welt für die Westberliner. Er ist Kult, voll «Seventies». Farben, Formen, bis zu jedem Stuhl und jedem Geländer, alles ist Siebzigerjahre wie in einer Zeitkapsel. Für zweieinhalb Millionen Passagiere jährlich war er ausgelegt, am Schluss waren es 22 Millionen. Er wurde am Ende völlig auf Verschleiss gefahren, aber er war unkaputtbar, so wie Herbie der Käfer. TXL ist ein bisschen wie Berlin. Hier ist man nicht elegant wie in Zürich. Hier trägt man einen sehr sorgfältig ausgewählten Schmuddel-Look. Das ist in Berlin in und so ist auch ein bisschen Tegel.“

    Es interessiert mich sehr, was Ihr – vor allem natürlich die Berliner – dazu sagt.

    Etwas wehmütige Grüße

    6,3

    Bodenwerder: klimaneutral seit 1963!

    #5533
    Avatar-FotoBWQ .
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    Aus dem selben Gedanken heraus, Huch, das war wohl das letzte Mal, hab ich noch ein paar Fotos geschossen. Gottseidank war auch noch schönes Wetter. Ich finde es schade, dass dieser Flughafen nicht erhalten bleibt. Jedoch sehe auch ich die Chancen einer neuen Nutzung.

    #5534
    Avatar-FotoGaudeamus Igitur .
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    Mein Dienstsitz ist Berlin. Von daher war Tegel weit über zwei Jahrzehnte hinweg Teil meines Arbeitsalltags. Ich hätte mit es mir  nicht vorstellen können, dass das mein letzter Flug war.

    #5536
    Avatar-FotoMichaelH
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    Berlin, ja Berlin … da fällt mir als ausgesprochener Nicht-Berliner nicht viel anderes ein als – eigentlich nichts! Es war schon traurig, als ich das letzte Mal ein Flugzeug in Tempelhof landete. Was wird bloß aus dieser Stadt, welche, auf  „ich kann nix, mache nix und hänge an nix“ auch noch stolz ist? Man stelle sich vor, die Franzosen würden La Defense in Paris schliessen – völlig undenkbar.

    #5537
    Avatar-FotoErictrav .
    Teilnehmer

    Muss BER Montag gleich Insolvenz anmelden oder schießt das Scholzchen noch schnell eine 1/2 Milliarde von unserem Geld nach?

    Das Blöde am Urlaub sind die Touristen.

    Don't drink and drive!

    #5542
    Avatar-FotoBWQ .
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    Insolvenzen sind ja zur Zeit aufgeschoben, welch ein Glück.

    #5544
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Am 8. November, also nächste Woche Sonntag, soll der Flugbetrieb in Berlin Tegel enden. Viele Male bin ich – zumeist von Frankfurt – dort gelandet und wieder abgeflogen. Das wird jetzt nie mehr so sein, und ich weiß nicht, ob ich jemals auf dem BER landen möchte oder nicht gleich besser den Zug nehme. 

     

    Lieber Herr Sechskommadrei, liebe Mitforisten,

    was für ein Thema!

    Der „Hauptstadtflughafen“ und das ganze Desaster rundum sind natürlich trefflich geeignet, das allseits beliebte Berlin-Bashing zu befeuern und die Anzahl der Fehlentscheidungen des Berliner Senats seit der Wiedervereinigung und insbesondere in Bezug auf den Umgang mit Symbolen und Stadtentwicklung sind wirklich nicht mehr mit normalem Menschenverstand nachzuvollziehen, aber der Reihe nach!

    Daß Berlin nach der Wiedervereinigung und dem Fall des eisernen Vorhangs Richtung Ostblock einen größeren Flughafen benötigen würde, war klar und nachvollziehbar. Daß dieser am Standort des alten DDR-Flughafens Schönefeld angesiedelt werden sollte, fand ich damals richtig, die Alternativen wären jeweils weit außerhalb Berlins und, je nach Standort innerhalb der Stadt, sehr schwer erreichbar gewesen. Allerdings hätte man sich die Klagewelle gegen den Flughafen, das Nachtflugverbot und die unfaßbar teuren Lärmschutzmaßnahmen erspart, wäre man tief ins Brandenburgische ausgewichen.

    Aus meiner Sicht war die erste Fehlentscheidung, daß man auf einen Ausbau von Tegel verzichtet hat, der Entwurf für ein zweites Hexagon, angeschlossen an das existierende, war Bestandteil des damaligen Wettbewerbsbeitrags von Volkwin Marg und Meinhardt von Gerkan, der Entwurf für Tegel war übrigens die Diplomarbeit der beiden Architekten, und die notwendigen Grundstücke für die Gebäude und weitere Landebahnen sind seit ewigen Zeiten im Besitz des Landes Berlin.

    In diesem Zuge hätte man die lange überfällige U-Bahn-Anbindung, die von vorne herein vorgesehen war, endlich bauen müssen, der U-Bahnhof unterhalb des Flughafens ist seit der Eröffnung von Tegel vorhanden! In TXF hätten perfekt die innerdeutschen und innereuropäischen Flüge abgefertigt werden können, nahe am Stadtzentrum und mit extrem kurzen Wegen.

    Dann hätte man aus meiner Sicht diese furchtbaren Flughafengebäude in Schönefeld beseitigen und dort, mit den bestehenden Genehmigungen von SXF, ohne jegliche Klagen von Anwohnern, einen vernünftigen zweiten Hauptstadtflughafen errichten können, hier hätten die Interkontinentalflüge und die Billigflieger starten und landen können, wenn ich nach New York oder Rio fliegen will, macht es nichts, wenn ich eine Stunde Anreise zum Flughafen habe, ebenso, wenn ich nur 30,00 € für einen Flug in eine Partymetropole bezahle.

    Weiterhin hätte man den Flughafen Tempelhof gehabt, als Regierungsflughafen, als Flughafen für Privatflugzeuge, als Architekturdenkmal im Betrieb und als Symbol für den Freiheitswillen Berlins während der Blockade der Stadt durch die Sowjetunion.

    Stattdessen hat man die zweite große Fehlentscheidung getroffen, man hat beschlossen, daß nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens die beiden anderen Flughäfen schließt, auf solch eine Idee kommt nur ein provinzieller Westberliner Senat ohne Visionen und ohne die Idee, daß vielleicht auch mal eine Sicherheitslandung oder ein Anschlag den einzigen Flughafen der Stadt lahm legen könnte, dann werden die Passagiere der ankommenden Flüge in Leipzig oder Hannover abgeworfen, so richtig mit dem Begriff „Großstadt“ mochte man sich in Berlin nie beschäftigen…

    Alle großen Städte in der Welt haben mehrere Flughäfen für verschiedene Zwecke, hier in Berlin brauchen wir das besser nicht. Paßt aber zu der Idee, den neuen Bahnhof „Hauptbahnhof“ zu nennen, keine Weltstadt in Europa hat einen Hauptbahnhof, so etwas paßt besser nach Solingen oder Neumünster, aber wie gesagt, eine wirkliche Großstadt trauen sich die Berliner wahrscheinlich nicht zu.

    Also: Berlin hat jetzt einen Flughafen und einen Hauptbahnhof, dafür fahren wir jetzt auch alle unbedingt Fahrrad in der Stadt, bekommen auch eine überdimensionale Wippe als Einheitsdenkmal, die Infantilisierung der größten Provinzstadt Europas schreitet zügig voran! Immerhin hat Berlin ja einen öffentlichen Personennahverkehr, der doch schon 80% des Umfanges des ÖPNV’s Berlins im Januar 1945 hat…

    Was wirklich schlimm ist: Der Umgang der Stadt mit Ihren Symbolen!

    Es begann mit der Umbenennung des öffentlich-rechtlichen Senders „SFB“ in „RBB“. Da hat man einen Sender, in dessen Namen alles enthalten ist, was diese Stadt seit Kriegsende ausgemacht hat: „Sender Freies Berlin“, alles symbolisierte dieser Name, die Befreiung der Stadt von der Tyrannei der Nazis, die Auseinandersetzungen innerhalb der Vier Mächte, das Aufstehen gegen die Einvernahmeversuche durch die „DDR“ und der Sowjetunion, die Luftbrücke, der kalte Krieg und schließlich den Fall der Mauer, dieses unfaßbare Ereignis, Berlin war wieder einmal ein Symbol für Freiheit, für den Kampf gegen die Unmenschlichkeit, für das Aufstehen nach Jahrzehnten der Agonie. Stattdessen: „Rundfunk Berlin Brandenburg“, alleine für das nichtssagende Logo hat die Agentur ein Honorar von einer Million DM in Rechnung gestellt.

    Dann hat man die Avus-Rennen abgeschafft, weil sich die Studienräte und ihre grün-alternativen Gattinnen in der Siedlung Eichkamp in ihren Reformarchitekturhäuschen über Lärm und Abgase beschwerten, selbst die Idee eines Oldtimerevents auf der Avus wurde abgeschmettert, so etwas braucht das Juste Milieu der Hauptstadt nicht, lieber legt man die Stadt mit regelmäßigen Sportveranstaltungen für das Kleinbürgertum lahm,Velothon, Marathon, Halbmarathon, Viertelmarathon, Kindermarathon, Berliner Firmenlauf, nicht umsonst ist die Sportseite bei der linksalternativen „taz“ mit „Leibesübungen“ überschrieben, und eine Motorseite gibt es da auch nicht…

    Aber es geht weiter! „Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“ rief der damalige Präsident Ronald Reagan – übrigens ja wirklich eine Lichtgestalt im Vergleich zu zahlreichen seiner Nachfolger – bei seinem Berlin-Besuch, kurz darauf war es so weit und es war ein wundervolles Gefühl, wieder durch das Brandenburger Tor laufen und fahren zu können! Das mit dem Fahren haben wir dann schnell wieder beendet, bloß kein Verkehr, das ist Teufelszeug, das Tor wurde für den Verkehr geschlossen, die symbolträchtigste Verbindungsachse zwischen den zusammenwachsenden, jahrzehntelang getrennten Teilen der Stadt wurde gekappt und seither ist der Pariser Platz eine gigantische Fußgängerzone ohne Geschäfte, dafür aber mit mehr Verkaufsständen für Schrottdevotionalien als auf dem Hamburger Frühlingsdom. Berliner trifft man dort übrigens keine…

    Dafür hat man die Berliner Mauer binnen kürzester Zeit aus dem Stadtbild getilgt, dieses Symbol der Unmenschlichkeit sollte bloß schnell verschwinden, nichts sollte mehr daran erinnern, wie menschenverachtend und kaltschnäuzig dieses Regime war, dessen frühere Protagonisten nunmehr im Bundestag über Demokratie schwadronieren.

    Aber es ging weiter, der „Zentralflughafen Tempelhof“ wurde geschlossen, die “ Mutter aller Flughäfen“ (Zitat Sir Norman Foster), der schönste Flughafen der Welt, und damit auch keiner, auch der Senat nicht, hier ein Geschäft wittern konnte, ließ man der Unvernunft freien Lauf und beschloß, daß nicht einmal die Randbereiche des früheren Flugfeldes bebaut werden dürfen, aller Wohnungsnot in der Stadt zum Trotz. Dafür kann man dort jetzt ganz prima Fahrrad fahren, Skateboarden, Drachen steigen lassen und Spazieren gehen. Ganz toll, und das Symbol für das Aufbegehren gegen die Blockade der Stadt hat man damit auch, so ganz nebenbei, beseitigt. Honi sôit qui mal y pense…

    Weiter ging es mit der Schließung des wunderbaren ICC’s, einer phantastischen „Kongreßmaschine“ mit feinster Ausstattung und bis heute unerreichter Funktionalität, noch im Jahr seiner Schließung wurde das ICC erneut zum besten Kongreßzentrum der Welt gewählt, ein Film, den die Messegesellschaft über das Haus hat produzieren lassen und der die perfekt erhaltene Eleganz der Ausstattung in schönster Siebziger-Jahre-Ästhetik zeigt, darf auf Anweisung des Senats nicht gezeigt werden. Grund für die Schließung war die notwendige Asbestsanierung, aber so schlimm, daß das ICC nicht als Erstaufnahmelager während der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 genutzt werden konnte, war die Belastung dann doch nicht, jetzt ist das Interieur zerstört und die Chance auf eine denkmalgerechte Sanierung dieses Bauwerks vertan. „Wenn Ihr uns den Palast der Republik abreißt, dann schließen wir Euch Euer ICC“, daß nennt man Ost-West-Proporz. Honi sôit qui mal y pense…

    Ja, und dann hat man den „BER“ gebaut, es hat halt etwas länger gedauert, den Architekten ist wirklich kein Vorwurf zu machen, GMP haben in der ganzen Welt Flughäfen, Bahnhöfe, Kongreßzentren, ganze Stadtteile gebaut, immer erstklassig und ohne Probleme, hier hat das gigantische Chaos aus den drei Bauherren Berlin, Brandenburg und Bund im Zusammenspiel mit der komplett überforderten Flughafengesellschaft und dem berühmt-berüchtigen Berliner Filz die Architekten, Planer, Ingenieure und Kalkulatoren komplett ausgebremst, Meinhardt von Gerkan hat dazu ein sehr gutes Büchlein geschrieben, „Black Box BER“, es lohnt sich zu lesen.

    Das Gebäude selbst ist, wie die Architekten selber eingestehen, funktional um Lichtjahre hinter dem Flughafen Tegel hinterher, das hat damit zu tun, daß es nicht mehr um kurze Wege und schnelle Abfertigung geht, sondern um eine Shopping-Mall mit angeschlossenem Flugsteig, nur 30% der Gesamtfläche des BER ist für den Abfertigungs- und Flugbetrieb nötig! Ansonsten ist es ein anständiger Entwurf, wie es von GMP nicht anders zu erwarten war, sauber, funktional und nicht unelegant, das Büro macht seit Jahrzehnten eine erstklassige, unaufgeregte Gebrauchsarchitektur, weit weg von einem Baudenkmal wie es Tegel wurde, aber sehr ordentlich, so ein bißchen wie ein 5er-BMW oder eine Mercedes E-Klasse, da gibt’s nix zu meckern.

    Aber dann kam der nächste Schritt der Symbolentfernung, der inzwischen aus SPD, SED-Nachfolgepartei und den Grünen bestehende Senat hat allen Forderungen zur Offenhaltung von Tegel zum Trotz, mit eiserner Energie die Schließung des Flughafens durchgezogen, es gab sogar einen Volksentscheid für die Offenhaltung von Tegel, solche Volksentscheide ignoriert der rot-blutrot-grüne Senat aber geflissentlich, wenn sie ihm nicht in den Kram passen. Und so wird das Symbol nicht nur für das Wiedererstarken West-Berlins in den sechziger und siebziger Jahren trotz der schwierigen Lage inmitten des Ostblocks, sondern auch für die unglaubliche Energie, mit der der Französische Stadtkommandant für die Luftbrücke den kleinen Flugplatz im Französischen Sektor binnen weniger Wochen für die Versorgung der blockierten Stadt ausgebaut hat, entsorgt.

    Jetzt wird Tegel umgebaut werden, zu einem Technologiepark, heißt es, ein weiteres Stück Geschichte dieser Stadt wird ausradiert werden, statt 15 Minuten brauche ich jetzt eine Stunde zum Flughafen, innerdeutsche Flüge versuche ich schon seit Jahren zu vermeiden und weiche auf die Eisen- oder Autobahn aus, vom BER zu fliegen überlasse ich den Vielfliegern aus einem anderen Forum, Tegel weine ich mehr als nur eine Träne nach und immer wieder kommt mir dieser großartige Satz des bewunderten Verlegers und Publizisten, Wolf Jobst Siedler, in den Sinn:

    „Berlin? Ein hinreißendes Stück! – Mit einer miserablen Besetzung!“

    Mit immer öfter über diese wundervolle Stadt verzweifelnden Grüßen, Hugo.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahren, 7 Monaten von Avatar-Fotohugoservatius.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #5548
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Heute Abend bin ich nach dem Abendessen noch einmal nach Tegel gefahren, ein letztes Mal habe ich im Innern des Hexagons geparkt, es war ein Moment großer Melancholie, wieder einmal ist meine Welt ein bißchen ärmer geworden, die Bilder will ich meinen geschätzten Mitforisten nicht vorenthalten!

    Traurige Grüße, Hugo.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #5593
    JaHaHe
    Teilnehmer

    Meine Herren,

    Was für ein trauriges Thema, eigentlich wollte ich vor einigen Tagen noch ein letztes Mal nach Tegel fliegen.

    1. Der Anflug.

    Fliegt man nach zum Beispiel nach Frankfurt sieht man nicht viel, ein Paar Hochhäuser auf grüner Wiese und die Vorfreude will sich auch nicht so recht einstellen, landet man in der Stadt des Geldes ja meist der Arbeit wegen und weniger zum Vergnügen. Ganz anders TXL, der Anflug über die Seen hinweg, right clear check, hohe Hecken und große Villen, cabin crew prepare for landing, grüne Jaguare und weiter im Hintergrund die große große Stadt die Abenteuer verheißt.

    Alles richtig schön!

    Welcome to Berlin.

    2. Landung.

    So man denn gelandet ist, ist der Blick auf das Bild welches sich am Rollfeld bietet interessant. Regierungsmaschinen (meist grounded). Billigflieger und erstaunlich viele Privatjets (interessant in dieser Stadt, in der es weit weniger Millionäre gibt als in jeder Seitenstraße von Bielefeld) . Ganz billig oder absurd teurer, die Mitte scheint wie so oft verschwunden. „Ick glob ick werd nich mehr, die haben schon wieder keen bus bestellt“ so wartet man noch auf dem Rollfeld, da selbst „Entscheiderflieger“ der Lufthansa morgens um 7 Uhr auf eine Aussenposition gestellt werden, weil der Flughafen sonst vollends unter der Überlast zusammenbrechen würde. Dass Berlin Bashing der anderen Passagiere, meist Berater (bin mal vorsichtig, nicht dass hier welche sind) Landtagsabgeordnete (die dringend in die Bayerische Vertretung müssen, weil Spesen und Party und alles) und Graf Pützi aus Grünwald samt Gattin (beide Janker, beide Hermes Gürtel, beide Hogans, beide die Tochter, die hier studiert besuchend aber im Adlon wohnend) nimmt neue Ausmaße an. Zusammgefasst: Eigentlich wollte ja keiner hierher und überhaupt sei das alles ja ganz ganz schlimm und man würde das ja alles finanzieren.

    Dann endlich raus aus dem Flieger und rein in einen Bus, der ein H-Kennzeichen verdient. Kurzes Schmunzeln, dass auch HONs mit in den Bus einsteigen müssen, da man natürlich auch vergisst den VIP Service Shuttle zu bestellen, hier in Berlin ist man demokratisch. Alle warten. Britt stinksauer.

    3. Terminal und Co

    Toll weil klein. Rein, zack, durch. Niemand hat hier in Berlin etwas zu verzollen. Also schnurstracks ins Freie. Hier wird man dann, wenn man Glück hat von der Delegation eines Afrikanischen Staatsoberhauptes fast überfahren oder zumindest angebrüllt und kann so das ganze Wochenende eine weitere tolle Berlin Anekdote erzählen.

    Dann begibt man sich auf die Suche einem Taxi. Nun bekommt man einen Vortrag gehalten über Berlin im Allgemeinen, den Flughafen im Speziellen und eine Warnung, dass ja heute Demo gegen dieses oder jenes sei und man deshalb einen Umweg quer durch die Stadt machen müsse. Das ist zwar schlimm, aber immer noch besser als U-Bahn fahren.

    Meist kommt man aber gar nicht bis zur Demo, denn die Stadtverwaltung lässt meist zu Stoßzeiten etwas an der Zufahrt reparieren (zum Beispiel klappernde Gullydeckel) und man steht bereits nach 400 m im Stau und kann im verbotenen Forum lesen oder wichtige Telefonate führen, zum Beispiel wo man am besten zu Abend essen gehen sollte und ob man nicht vielleicht gleich ein bisschen früher aufhören sollte zu Arbeiten um noch in der Stadt einen Aperitif zu nehmen…

    Hier sorgt der Flughafen also für Entschleunigung !

    Im Ernst:

    Ich werde Tegel vermissen. Ein toller Airport, große Architektur. Kurze Wege. Das Gefühl direkt aus dem Taxi in den Flieger zu steigen ist grandios. Die Mischung der Fluggäste, das Ankommen oder Abfliegen aus der einzigen Großstadt Deutschlands wird nicht mehr dasselbe sein.

     

    "Also, es fängt damit an, daß ich bei Fisch-Gosch in List auf Sylt stehe und ein Jever aus der Flasche trinke und von Bodenwerder träume"

    #5595
    Avatar-FotoSan Remo
    Administrator

    Britt stinksauer.

    Ein toller Beitrag, aber wer ist denn Brit…. obwohl ich glaub ich w….

    Im verbotenen Forum Inkognito nachforschende Grüße    San Remo

     

    So lange ich hier was zu sagen habe, wird es kein Formel 1 Rennen in Bodenwerder geben! Bernie Ecclestone NZZ vom 24.07.2020

    #5596
    Avatar-FotoGaudeamus Igitur .
    Teilnehmer

    Britt stinksauer.

    Ein toller Beitrag, aber wer ist denn Brit…. obwohl ich glaub ich w…. Im verbotenen Forum Inkognito nachforschende Grüße San Remo

    Hach ja, eine Caravelle in ihrer ganzen Pracht und Schönheit. Nur die BAC One Eleven war noch lauter.

    Flugnostalgische Grüße

    Gaudeamus Igitur

    #5599
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Im Ernst: Ich werde Tegel vermissen. Ein toller Airport, große Architektur. Kurze Wege. Das Gefühl direkt aus dem Taxi in den Flieger zu steigen ist grandios. Die Mischung der Fluggäste, das Ankommen oder Abfliegen aus der einzigen Großstadt Deutschlands wird nicht mehr dasselbe sein.

    Lieber Herr JaHaHe,

    was für ein großartiger Beitrag, mit wenigen Worten alles, was den Berlin-Besucher erwartete, zusammen gefaßt! Perfekt!

    Aber: Tempi passati. Schluß, Aus, Ende, Tegel ist Geschichte, jetzt wird in einer Shopping Mall mit angeschlossenem Flugsteig weit draußen, vor der Stadt, gelandet, der Kurzzeitparkplatz ist kostenpflichtig und trägt die Bezeichnung „Kiss and Fly“, aufgrund meiner sexuellen Orientierung und auch der grassierenden Pandemie möchte ich meinen Fahrer eigentlich gar nicht küssen!

    Ach ja, schon wieder ein Denkfehler, die Zeiten, in denen die Passagiere eines Lufthansa-Jets vorwiegend gut gekleidete Herren in eleganten Anzügen, dezenten Schweizer Uhren und mit Aktentaschen von Seeger – Cashmere in Leather. – waren, sind ebenso vorbei wie die Zeiten flüsternder, dunkler Limousinen, die von höflichen Fahrern chauffiert werden, heutzutage tragen die Entscheider Cashmere-Jogginghosen von Fendi, passend zur Big Bang-Armbanduhr und tragen ihr Laptop sowie die Wäsche zum Wechseln in „Designer“-Rucksäcken von Bottega Veneta zum Uber-Toyota.

    Und so war es auch klar, daß der rot-blutrot-grüne Senat diesen Flughafen schnellstmöglich schließen mußte, war er doch das Symbol einer anderen Zeit, damals, als Fliegen noch etwas Elitäres hatte, fernab vom käuflichen „Frequent Traveller“-Status, der klassische Flugpassagier brauchte weder eine größere Auswahl an Schnellrestaurants noch den unvermeidlichen „Boss“-Store, der Lieblingsmarke des Middlemanagements, dem klassischen Passagier waren die kurzen Wege von der Vorfahrt mit der Limousine oder dem Taxi und die damit verbundene Zeitersparnis eben wichtiger als das vermeintliche Einkaufserlebnis, ein Zeitschriftenladen mit einer guten Auswahl internationaler Magazine reichte mir eigentlich, mit der FAZ, der NZZ und der Octaine in der Aktentasche waren auch Langstreckenflüge gut zu bewältigen.

    Der neue Flughafen ist dafür jetzt das Symbol der Demokratisierung des Fliegens, überall auf den Flughäfen der Welt die gleiche Auswahl an Läden, man bekommt die orangefarbene Witwe im Flughafen-Shop halt drei Euro billiger als im örtlichen Getränkeladen und kann sich so auch ein kleines Stückchen säuerlichen Luxus leisten und das Easy-Jet-Ticket ist billiger als die Bahnfahrt 2. Klasse, dafür paßt ein normal gewachsener Mitteleuropäer auch kaum noch in die Sitzreihen auch der „Biz“ und, wie JaHaHe es völlig richtig beschreiben hat, die Mitte verschwindet, das Volk fliegt Easy Jet und Ryanair und landet in Schönefeld und dann gibt es noch die NetJets-Kunden und die Eigner eigener Flugzeuge, ich weiß schon, warum ich die Benutzung von Flugzeugen auf Kurz- und Mittelstrecken schon seit Jahren vermeide.

    Und so konnte es nicht ausbleiben, daß Tegel irgendwann Geschichte wurde, die unfaßbare Zunahme an Flugbewegungen, die notwendige Finanzierung der aufgeblasenen Flughäfen durch Vermietung der „Retail“-Flächen, die Unmöglichkeit solcher riesigen Massenumschlagplätze im innerstädtischen Bereich sind Symbol der gesellschaftlichen Veränderung und wir, die aus der Zeit gefallenen, wir haben dort eigentlich nichts mehr verloren.

    Und so leiste ich mir meinen ganz persönlichen Snobismus und werde den neuen Flughafen nicht benutzen, die internationale Anbindung des Hamburger Flughafens ist sowieso deutlich besser und die zügige Fahrt im Wagen von Berlin nach Hamburg ist auch nicht viel schlimmer als die Fahrt nach Schönefeld.

    Und freue mich darauf, die Herren JaHaHe, Sechskommadrei, A8 und Remo angemessen im Schröder am Bahnhof abzuholen und mit ihnen den Begrüßungsnegroni im Hôtel de Rome zu trinken.

    Das beste aus der neuen Zeit machende Grüße, Hugo.

     

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

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