Willkommen bei ClassicPassion Foren ClassicPassion Forum Restaurieren oder lassen?

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  • #7420
    Avatar-FotoEcki1960
    Teilnehmer

    Liebe Mitforisten,

    heute möchte ich einmal eine Diskussion zu einem Thema anschieben, das mich immer wieder beschäftigt. Gelegentlich lesen wir in MotorKlassik, Oldtimer-Markt & Co darüber, dass angeblich eine gewisse Patina bei Klassikerfahrzeugen sehr erwünscht und viel reizvoller als ein restaurierter Zustand, womöglich sogar Zustand 1, sein soll. Wie seht Ihr das, sollte man die Spuren der Jahre lassen oder ist ein makelloser Zustand das erstrebenswerte Ideal? Oder wird dadurch die unwiederbringliche Aura eines authentischen Originalfahrzeuges zerstört? Und wo liegt die Grenze zwischen liebenswerter Patina und heruntergekommenem Zustand?
    Bei meinem VW 1303 Cabrio ist es zB so, dass es sich in völlig unberührtem Originalzustand befindet, so wie ich es vor über 30 Jahren kaufte. Es hat zwar ein paar Spuren der Jahre, aber ich habe mich vor langem dazu entschlossen, es dabei zu belassen, zuerst aus Kostengründen und mittlerweile gefällt mir dies sogar sehr gut.

    Fragen über Fragen…

    Würdet Ihr zB dieses in Ehren ergraute Cabrio so lassen, wie es hier zu sehen ist, oder lieber restaurieren?

    Ich freue mich auf einen regen Meinungsaustausch

    Gespannte Grüße

    E N-R

    #7421
    Avatar-FotoMOK24
    Teilnehmer

    Meine persönliche Meinung ist: Es handelt sich um ein 30 Jahre altes Auto. Das muss nicht aussehen und funktionieren wie ein Neuwagen.

    Halte es so fit (technisch und optisch), dass es DIR noch gefällt und Spaß macht.

     

    Why drive a car when you can pilot a SAAB?

    #7422
    Avatar-FotoSan Remo
    Administrator

    Kommt immer auf  den Zustand an, manchmal reicht ja schon eine ordentliche Säuberung/Aufarbeitung, evt auch vom Profi, sowie kleine Schönheitsreperaturen, Rost, Leder etc.

    Je älter ich werde um so mehr liebe ich diese Patina, weil man wahrscheinlich die Erinnerung und die Geschichten die darin erlebt wurden irgendwie auch spüren möchte, ich glaube man nennt das dann Nostalgie.

    Auf der anderen Seite mag ich aber auch schön restaurierte Fahrzeuge va wenn ich den vorherigen Zustand nicht kannte und erfreue mich dann an dem frischen Leder, dem glänzenden Motorraum und der strahlenden Farbe.

    Etwas nachdenkliche  Grüße   San Remo

    So lange ich hier was zu sagen habe, wird es kein Formel 1 Rennen in Bodenwerder geben! Bernie Ecclestone NZZ vom 24.07.2020

    #7423
    Anonym
    Inaktiv

    Es mag komisch klingen aber würden wir uns liften lassen wenn wir alt und faltig wären ?

    Meiner Meinung nach kommt es auch auf das Fahrzeug an, ein Käfer galt immer als Arbeitstier, man denke an die Werbungslogan „er läuft und läuft und läuft…“. Deswegen finde ich es persönlich absolut in Ordnung , wenn ein Käfer etwas Patina trägt.

    Kritisch wird es jedoch wenn aus Patina, Rost wird der sagen wir mal lebenswichtige Organe wie Chassis befällt.

    Meine Meinung geht daher in Richtung orginalen Zustand so gut wie möglich erhalten und gegenballs kleine Stellen die zwingend gemacht werden müssen beseitigen ohne den Rest anzufassen, denn auch diese Kampfspuren, in Form von kleinen Ausbesserungen sind für mich Teil einer aussagekräftigen Automobilgeschichte.

    Ich schließe mich hier MOK24 an, versuche den Wagen so gut es geht technisch fit zu halten, den Lack und das Leder einmal im Jahr zu pflegen und ansonsten sich jederzeit an dem Käfer erfreuen.👌

     

    #7426
    Avatar-FotoEcki1960
    Teilnehmer

    Liebe Mitforisten,

    vor etlichen Jahren habe ich tatsächlich ernsthaft darüber nachgedacht, mein 1303 Cabrio ohne Rücksicht auf die Kosten in den Neuzustand versetzen zu lassen, und das Ganze nach dem Motto „wenn schon, dann richtig“. So hatte  ich sogar überlegt, diese Aktion mit einem Wechsel der Farbe auf Dunkelblau zu verbinden und das Fahrzeug in die Richtung eines Nordstadt-Exemplars zu modifizieren. Heute bin ich froh, all dies nicht gemacht und den Originalzustand erhalten zu haben, natürlich immer gut gepflegt und technisch in Ordnung.

    Beste Abendgrüße

    E N-R

    #7428
    Anonym
    Inaktiv

    Es mag komisch klingen aber würden wir uns liften lassen wenn wir alt und faltig wären ?

    Ehm… ja😁 Eitle und an der Quelle sitzende Grüsse Ph.

    Gut zu wissen…. man(n) weiß ja nie 😅

    #7429
    Avatar-FotoEcki1960
    Teilnehmer

    Ich hoffe, ich trage meine Roststellen und Kratzer im Lack, sprich graue Haare und Falten mit Würde!

    Zuversichtliche Grüße

    E N-R

    #7432
    Avatar-FotoBWQ .
    Teilnehmer

    Mein 328 trägt ganz bewusst die Spuren der Jahre. Auch die mangelhaften italienischen Nachlackierungsversuche, verursacht durch den Vorbesitzer fortgeschrittenen Alters und seiner Grundstückszufahrt am Gardasee gehören zu seiner Geschichte. Technisch ist er jedoch komplett überholt. Und so bleibt er auch…

    #7435
    Avatar-FotoNordlicht
    Teilnehmer

    Hmmm, mal sehen…..

    #7436
    Avatar-FotoSan Remo
    Administrator

    Hmmm, mal sehen…..

    Nu mach den Mann nicht verlegen,   Ulf😜

    So lange ich hier was zu sagen habe, wird es kein Formel 1 Rennen in Bodenwerder geben! Bernie Ecclestone NZZ vom 24.07.2020

    #7437
    Avatar-Fotomove
    Teilnehmer

    Also ich halte es so.

    So lange es geht die Substanz aufrecht erhalten, Pflegen u.U. aufbereiten (lassen). Wenn der Schmodder und Rost Überhand nehmen, wird Hand angelegt und restauriert. Dabei gilt, soviel wie möglich an Substanz und Originalteilen zu erhalten.

    Mein Käfer ist innen komplett Original, ansonsten aber möglichst gut, nicht Perfekt, restauriert.

    move
    EILMELDUNG!!!
    Bodenwerder gewinnt Deutschlandpreis "Unser Dorf soll schöner werden"

    #7438
    Avatar-FotoMax
    Teilnehmer

    Guten Morgen,

    ich sehe das ähnlich wie der Rest hier: Ein vollrestauriertes Auto hat einen gewissen kurzen Reiz des „Neuen, Unangetasteten“. Genau das birgt aber auch Verluste emotionaler Natur. Und: Ich würde einen Wagen, den ich selbst in einen quasi Neuzustand hätte versetzen lassen, aus „Angst“ vor neuen Spuren des Gebrauchs wahrscheinlich gar nicht mehr fahren wollen.

    Ein Auto, das gepflegt gealtert ist, erzählt Geschichten. Nicht umsonst wird ein gewisser Grad der „Patina“ von den Briten mit „well used, well loved“ umschrieben. Da gehören Spuren des Einsatzes einfach dazu, gerade die machen doch die Faszination aus. Wenn ich die nicht sehen will, muss ich mir jedes Jahr ein neues Auto kaufen.

    Natürlich gibt’s auch Grenzen. Die sind aber von Fall zu Fall unterschiedlich. Herr @Sechskommadrei hat da so einen Wagen, den ich sehr für seine Unvollkommenheit schätze, bei dem wir aber nun schon seit Inbesitznahme überlegen, ihn einer Voll- oder zumindest Teilrestauration des Interieurs zu unterziehen. Bislang blieben wir standhaft…

    Grüße vom Schreibtisch

    Max

    Nimmt mich jemand mit nach Bodenwerder? Dort soll es schön sein.

    #7440
    Avatar-FotoEcki1960
    Teilnehmer

    Moin in die Runde,

    well used, well loved, das trifft es perfekt! Ich finde auch, ein paar Spuren der Jahre dürfen sein, solange sie nicht überhand nehmen. Früher dachte ich anders darüber, da zählte für mich nur der Neuzustand, doch ich musste feststellen, dass der selbst bei einem Fahrzeug, das ich neu erworben habe, nicht zu halten ist. Bei meinem Ersthand-Golf I Cabrio habe ich dies vergeblich versucht und konnte ein paar Spuren der Benutzung tatsächlich nicht vermeiden. Anders geht es nur, wenn man mit dem Auto nicht fährt, aber ein reines Museumsstück wirkt auf mich auch etwas leblos und traurig. Irgendwann dachte ich dann, sei’s drum, ein paar Spuren störten mich nicht mehr, und das Beste daran war, die Freude an dem Fahrzeug wurde dadurch viel entspannter.

    Grüße von der Ostsee

    E N-R

    #7441
    Avatar-FotoLandstreicher
    Teilnehmer

    Hallo Ecki1960,

    du machst es schon richtig!!!!

    Wenn er dem Rostfraß zum Opfer fällt, ist es schon zu spät, dann steht einen Vollrestaurierung an. Ist der Wagen gepflegt und der Unterboden/Hohlräume regelmäßig versiegelt worden, sollte es keine Probleme geben. Die neuralgischen Stellen beim Käfer sind die Schweller und der Vorderbau (Vorderachsaufhängung).

    Ein FZ das überwiegend “Erstlack“  aufweist, ist mir sympathischer, als ein FZ in Volllackierung/Restaurierung.

    Sprich ein KFZ mit Patina ist sexy.

    LG
    Peter

    #7445
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Eine sehr interessante Diskussion!

    Für mich ist der in letzter Zeit inflationär verwandte Begriff „Patina“ eher der Versuch, schlecht gepflegte und heruntergerittene Autos schön zu reden oder zu schreiben.

    Ich halte es da mit meinen Vorrednern, der Englische Begriff „Well used but well loved“ umschreibt für mich den richtigen Umgang nicht nur mit alten oder auch nicht so alten Autos, auch mit Möbeln, anderen hochwertigen Gebrauchsgegenständen wie Uhren und auch hochwertiger Kleidung.

    Man kauft etwas sehr gutes, nutzt es artgerecht, pflegt es angemessen und erfreut sich so fast unendlich lange daran. Natürlich bekommt ein Gegenstand wie ein Auto bei der Nutzung auch Gebrauchsspuren, das Leder wird etwas speckig, der Lack bekommt auch mal kleinere Kratzer, eine Felge wird beim Kontakt mit dem Bordstein angekratzt, das Verdeck bekommt Knickfalten und bleicht mit den Jahren etwas aus. Das nenne ich dann Patina.

    Alles andere, duffer, matter Lack, tiefe Kratzer, abblätternder Chrom, gar Rost oder Beulen, Risse in der Polsterung und ein hängender Innenhimmel, das sind für mich Zeichen von Vernachlässigung, mangelnder Pflege und Ignoranz gegenüber dem Objekt wie auch den Menschen, die dieses Objekt hergestellt, entworfen und erdacht haben. Und wenn man das als Patina bezeichnet, dann hat man den Begriff nicht verstanden, bei einem gepflegten Auto müssen solche Sachen aus meiner Sicht so schnell wie möglich behoben werden, sonst ist das Auto langsam oder auch sehr schnell in einem schlicht schlechten Zustand.

    Die wirkliche Patina, die unvermeidlichen Spuren eines ansonsten sorgfältigen Umgang mit einem Fahrzeug, die machen natürlich auch den Reiz eines alten Wagens aus, geben ihm seine Lebendigkeit und gehören nach Möglichkeit erhalten. Meinen VW Käfer hatte ich 25 Jahre so gepflegt, wie es angemessen war, natürlich hatte er in den 25 Jahren ein paar kleine Kratzer bekommen, auch glänzte der Lack nicht überall wie ladenneu, aber er sah schon ziemlich perfekt aus.

    Sonntag abends im Mai 2010

    Und dann fuhr eine adipöse, rauchende und telephonierende, weibliche Person in ihrem Ford Focus ungebremst auf den stehenden Käfer auf und schob diesen auf seinen Vordermann und den wiederum auf seinen Vordermann.

    Montag abends im Mai 2010

    Erlösend war der Anruf der Werkstatt, daß die Plattform, die Zelle und der Motor in Ordnung seien und daß ein Wiederaufbau möglich sei. Daß dieser Wiederaufbau dann so teuer wurde, daß ich das Auto quasi ein zweites Mal gekauft habe, war weniger mein Problem, schlimmer war, daß das ganze Auto neu lackiert werden mußte, da in den 25 Jahren das schöne Selvasgrün doch merklich ausgeblichen war. Weg war sie, die jahrzehntelang entwickelte Patina, als der Wagen nach einem knappen Jahr wieder in meiner Garage stand, glänzte er wie eine Speckschwarte, die (nachgefertigten) neuen Stoßstangen funkelnden fürchterlich, das Äußere stand in einem gewissen Spannungsverhältnis zum doch deutlich benutzten Innenraum…

    Und ein Jahr später, im Jahr 2012

    Zum Glück hatte die Volkswerkstatt – „wir machen nüscht wasserjekühltet!“ – gerade einen rostigen Mexico-Käfer erworben, dessen Schottenkarositze seit der Auslieferung unter nachgemachten Schafsfellbezügen verborgen waren, die Bezüge wanderten in meinen Käfer und in Verbindung mit einem neuen Teppichsatz sah der Innenraum adäquat aus. Nur: Jetzt hatte ich beinahe einen Neuwagen, jedenfalls optisch. Jetzt, zehn Jahre später, da sind die neuen Sitzbezüge „eingewohnt“, hat der Lack durch regelmäßige Wäschen und auch kleinere Steinschläge wieder einen normalen Glanzgrad und auch der Chromschmuck blendet bei Sonnenschein nicht mehr so ganz arg.

    Und das ist mein Problem mit perfekt vollrestaurierten, neuwagenähnlichen Klassikern. Ihnen fehlt in der Regel dieser Schmelz eines langen, mal mehr, mal weniger freudvollen Lebens, sie erzählen keine Geschichten von bestiegenen Bergen, durchquerten Flüssen, glanzvollen Auftritten und tragischen Momenten, sie sind seltsam alterslos wie eine attraktive, perfekt geliftete Dame der besseren Gesellschaft.

    Aber sie haben eine Chance, wenn man sie artgerecht und oft benutzt, wenn sie auch mal schmutzig werden, wenn in ihnen geschwitzt, gefroren, geliebt und gelebt wird, wenn mit ihnen eine unbefestigte Paßstraße herauf gefahren wurde, wenn sie in sengender Sonne am Yachthafen geparkt wurden, wenn aufgrund des Mangels an anderen Fahrzeugen fünf Personen in den 2+2 gequetscht wurden, um in die Paris Bar zu fahren, wenn sie teilnehmen am wirklichen Leben. Das ist ein hartes Stück Arbeit, aber diese Arbeit macht Spaß. Und dabei bekommen sie dann wieder das, um was es hier geht: Patina.

    Als Resümee bleibt:

    Im Idealfall erwirbt man ein Auto neu, behält es für immer und behandelt es so, wie beschrieben. Oder man erbt solch ein Auto. Oder kauft es. Und behandelt es dann so, wie der Vorbesitzer es einem vorgemacht hat.

    Die zweitbeste Lösung ist, ein perfekt restauriertes Auto zu kaufen und dann so wie den oben beschrieben Neuwagen zu behandeln, so daß das Auto irgendwann den feinen Schmelz bekommt.

    Und warum nicht selber restaurieren lassen? Grundsätzlich ist es ganz schön, wenn die unfaßbaren Kosten, die eine perfekte Restaurierung verursacht, von jemand anderem getragen werden, ich weiß, wovon ich spreche…

    Und in meinem Fall würde eine Restaurierung vermutlich niemals zum Abschluß kommen, weil ich mir und der Fertigstellung mit meinem Detailfetischismus dergestalt im Wege stehen würden, daß ich mich wirtschaftlich ruinieren würde und außerdem der ausführende Betrieb mir zeitnah Hausverbot erteilen würde…

    Solche Erfahrung vermeiden wollende Grüße, Hugo.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

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