Willkommen bei ClassicPassion Foren ClassicPassion Forum Bedeutsame Persönlichkeiten und ihre Fahrzeugwahl – Versuch eines Exkurses

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  • #21176
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Wie unseren schönen Lesern und klugen Leserinnen ja nicht entgangen sein dürfte, hat sich im Thread über Britische Fahrzeuge ja ein Exkurs weit über die Fahrzeuge von der Insel hinaus entwickelt, ich denke, daß die dort veröffentlichen Beiträge durchaus eines eigenen Threads Wert sind, deshalb habe ich sie hier her verschoben und freue mich auf weitere Beiträge unserer geschätzten Mitforisten!

    Allerdings habe ich eine kleine Bitte: Wir sollten uns – in diesem Thread – wirklich nur auf bedeutsame Persönlichkeiten beschränken, der rosafarbene Bentley von Paris Hilton oder der goldfolierte Lamborghini eines Fußballstars findet in diesem Forum sicherlich eine andere Heimat…

    In diesem Fall mit moderierenden Grüßen, Hugo.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #21157
    Avatar-FotoRoland
    Teilnehmer

    Lieber Herr He et al.,

    vorhin blätterte ich eine FAZ von letzter Woche durch und blieb bei der Traueranzeige für Rolf-Ernst Breuer hängen. Ob es auch einer Würdigung in den hiesigen Obituaries bedarf, erschien mir fragwürdig. Habituell hätte ich ihn mir gut an einer Tafel bei einem Treffen des Schnauferl-Clubs in Königstein vorstellen können … Überhaupt könnte ich mir hier neben meinem Lieblingsfaden mit den Fotos und den dazu erfundenen Geschichten einen Faden über “Charakterköpfe und was sie wohl für Autos hielten”. In diesem Kontext könnte der Faden beispielsweise mit dem sinnieren, was das Alltagsauto von Joachim Fest in der Zeit als Herausgeber gewesen sein könnte, eröffnen. Ich behalte mir den Gedanken jedenfalls einmal vor.

    Der Annonce der Familie steht Matthias Claudius’ Vers „Nimm wahr der Zeit; sie eilet sich / Und kommt nicht wieder ewiglich“ voran. In erster Linie bedeutet das natürlich, dass man, so lange es möglich ist, seiner Mutter Blumen schicken sollte, am besten täglich. Und sie anzurufen. Mit ihr Kurzurlaube zu unternehmen und sie in die Oper zu begleiten. Selbes gilt natürlich auch für eine etwaige Dame. Darbovens (“früher ließ ich mich mit einer S-Klasse chauffieren, mittlerweile aber mit einem 7er aus Loyalität zum Hauptsponsor des Deutschen Galopp-Derby BMW” oder so ähnlich) halten charmanterweise täglich ein Champagner Stündchen. D.h. dass sie sich jeden Tag für eine Stunde Zeit für ein Vieraugengespräch nehmen. Wenn nun einer verreist ist, wird eben eine Stunde telefoniert und gezecht. Ich habe den Spruch weiterhin so interpretiert, dass ich mich auch den Tiefen dieses schönen Forums annehmen sollte, bevor es zu spät ist. Bei genauem Hinsehen fiel mir also bei Ihrem Beitrag, Herr He, auf, dass das Foto im Hinterhof der Hochhäuser Romeo & Julia in der  Ulmenstraße 37–39 (Ecke Kettenhofweg) ist. Bauherr war übrigens Ignatz Bubis (sehen Sie dazu alsbald den Beitrag “Was fuhr wohl Ignatz Bubis”). In dem Haus sitzen jedenfalls die Kapellmann Rechtsanwälte, zu denen diese Parkplätze gehören. In dem Haus im Hintergrund befand sich wiederum mein Büro zu meiner Zeit im Westend. Es war ein hoch elegantes Büro, was man aus dieser Perspektive gar nicht vermuten mag. Was meiner diskreten und bodenständigen Art zugutekommt. Von der Straßenansicht – Barckhausstraße – sieht es dann auch schon besser aus. Der Bürogemeinschaft stand ein sehr distinguierter Anwalt vor. Volvo Fahrer und Cellospieler. Die großzügigen Räume nahmen Teile seiner Kunstsammlung (u.a. Werke von Carl Andre, Herbert Baglione, Banksy, Rolf Bergmeier, Guillaume Bijl, John Bock, Victor Bonato, Monica Bonvicini, Boxi, Daniele Buetti, Werner Büttner, James Lee Byars, John McCracken, Mark Dion, Brad Downey, Jimmie Durham, Shepard Fairey, Robert Filliou, Hamish Fulton, Liam Gillick, Nan Goldin, Rodney Graham, Till F. E. Haupt, Georg Herold, Damien Hirst, Mark Jenkins, Wulf Kirschner, Frantiček Klossner, Imi Knoebel, Terence Koh, Barbara Kruger, Konrad Lueg, Daniel Man, Jonathan Meese, Bjørn Melhus, Jonathan Monk, Piotr Nathan, Bruce Nauman, Ernesto Neto, Cady Noland, Os Gêmeos, Tony Oursler, C. O. Paeffgen, Blinky Palermo, Manfred Pernice, Wolfgang Petrick, Stephen Prina, Richard Prince, Robert Rauschenberg, Mirko Reisser (DAIM), Klaus Rinke, Rolf Rose, Ulrich Rückriem, Roman Signer, Rainer Splitt, Stohead, Tasek, Rosemarie Trockel, Ben Vautier, Vitché, Lawrence Weiner, Pablo Wendel, Stefan Wewerka, Franz West, Heiko Zahlmann und weitere auf). Es war immer ein Fest, sich mit ihm frühmorgens oder abends zu unterhalten. Ich sollte ihn auch einmal wieder anrufen.

    Wie um der Frage, was dieser Monolog in einem Autoforum zu suchen hat, noch eine Schippe aufzusetzen, erinnere eine Ankunft mit einem Intercity-Express aus der Stadt, die leuchtet in Frankfurt am Main. Von dort ging ich dann an den Junkies vorbei Richtung Taunusanlage um die Guiolletstraße hoch zu gehen. Dort sah ich aus dem den Zwillingstürmen gegenüberliegenden, unscheinbaren Bürokomplex Rolf-Ernst Breuer aus der Tiefgarage fahren. Er war damals schon über 80 und – um noch die Kurve zu kriegen – steuerte eine E-Klasse. Das wirkte alles sehr anständig. Später sah ich ihn dann einmal in voller Bräune in der Alten Oper bei einem Konzert des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks und entschied für mich, dass das eine durchweg integere Person sein muss.

    Lieber Herr He, es ist nur etwas mehr als sechs Jahre her, als wir uns dort ums Eck, am Odina-Bott-Platz, zum ersten Mal begegneten. Wie Penner saßen wir dort, bürgerlich gekleidet und unterhielten uns über Großbürgerliches. Dort wiederum steht ums Eck in der Freiherr-vom-Stein-Straße und steht hoffentlich noch immer ein XJ, zu dem es eine weitere Geschichte, die den Rahmen vollends sprengen würde, gibt.

    Auf den Tag genau vor sechs Jahren fuhr ich jedenfalls mit einem gemeinsamen Freund vom Westend Richtung Süden in einem flaschengrünen Mini Clubmen. In Marbach am Neckar machten wir Station bei einer Gerberei. Wie bei kleineren Firmen üblich, stand das Auto des Fabrikbesitzers auf dem ersten Parkplatz vor dem Werk. Ich gebe Brief und Siegel, dass es ein grüner Jaguar XJ (X351) war. Wir besichtigten also diese Fabrik, was ich sehr spannend fand. Ich hatte sowas zuvor noch nie gesehen. Dort wurde richtig körperlich gschafft. Das Handwerk wirkte recht vorindustriell auf mich. Später saßen wir dann mit dem Inhaber in einem herrlichen, kleinen holzvertäfelten Konferenzraum, wie es sie in Frankfurt wohl bis in die 60er-Jahre gab. An den Wänden Porträts der Ahnen. Wir stellten dann Fest, dass sein Großonkel ein Corpsbruder von mir war. Damit kein falscher Eindruck entsteht: mein Paukarzt ist Ministersohn, (Ring-)Arzt und Ferrarifahrer! Der war jedenfalls auch Sohn eines Lederfabrikanten und lebte später im Tessin und kam zu den Stiftungsfesten – Sie werden es ahnen – immer in seinem eleganten Jaguar angereist. Sein Sohn wiederum Herr He, ist der braungebrannte Old Chap vom Doktorenstammtisch, der auch ein Vetter Breuers sein könnte.

    Szenenwechsel. So mancher, der weder im hohen Alter noch Türme ansteuert oder von dort als Seniorpartner agiert, disloziert irgendwann ins Tegernseer Tal. Als es noch nicht regnete, sah ich dort hinter dem Gymnasium diesen wunderbaren Daimler 250 V8. Lieber Herr Servatius, teilen Sie mir doch bitte mit, wie sich diese Lackfarbe nennt? Auf dem Beifahrersitz lag ein juvenil-lässiges Jeans-Jäckchen. Vor meiner geistigen Hornbrille sehe ich also sofort einen älteren, rolf-breuer-braunen Vater, der sein Töchterchen von der vegan-affinen Mutter entführte um mit ihr eine Schweinshaxe im Bräustüberl zu kosten.


    Max Frisch fuhr einen zwar einen Jaguar 420, kommt mir aber dennoch in den Sinn. Vielleicht wegen des Sees, auf dem kaum Segelboote sind. Jedenfalls möchte ich auf dieses hübsche Interview mit seinem Sohn Peter verweisen: http://blog.uwe-wittstock.de/?p=1855 Mir gefielen zwei Zitate besonders gut, das erste manifestiert auch in gewisser Weise, wie ich mir den Habitus eines rolf-breuer-mäigen Halters eines alten und also richtigen Jaguars vorstelle: “ In vielen Punkten ist er ein Vorbild. Ich will etwas ganz Banales sagen: sein Auftreten zum Beispiel. Er wusste, wie man, ohne zu protzen, großzügig ist. Er konnte sehr gut umgehen mit Menschen, er hatte Charme. Er war ein Grandseigneur.”

    Und: “Wittstock: Was sagte Ihr Vater, als Sie sich entschieden, Ihren Beruf als Architekt aufzugeben?

    Peter Frisch: Das war eine ziemliche Enttäuschung für ihn. Er glaubte nicht, dass ich aus meiner kleinen Segelfirma etwas Richtiges machen könnte, etwas, das über das reine Geldverdienen hinausging. Eine Sache richtig zu machen, etwas Großes zu machen und deshalb etwas Besonderes zu sein, stand für ihn immer im Mittelpunkt. Geld war für ihn eher unwichtig. Wenn er mit seiner Arbeit Geld verdiente, dann hat er das gern genommen, aber das war nicht das Entscheidende. Seine Freude über meine Firma kam erst sehr spät. Er war schon sehr, sehr alt, als er sagte, es sei schon wahnsinnig gut, dass ich mit Erfolg in einem Beruf arbeite, der vor den Gesetzen der Realität standhalten muss, während alle anderen in der Familie sich damit selten beschäftigten.”

    Ach so und dann steht da noch: “ Ja. Es gibt viele Ähnlichkeiten. Nur nicht das Schreiben. Aber zum Beispiel die Stimme: Am Telefon ist meine der seinen offenbar zum Verwechseln ähnlich. Dann meine Sehnsucht nach Großzügigkeit, nach offenen, freien Räumen. Er hat gern und sehr gut gekocht. Ich koche auch gern. Und hoffentlich gut.” Da ich den Faden zu den Rezepten nicht mehr finden kann, möchte ich Sie, Herr He, bitten mir gelegentlich Ihre Anleitung für Ihr Ragù alla Bolognese zukommen zu lassen, dessen bisher heimlicher Verehrer ich war und das ich mannigfach nachkochte. Allerdings habe ich auch den Wein so konsumiert wie beschrieben und insofern Erinnerungslücken …

    Nun möchte ich alse mit einem Zitat aus dem Berliner Journal von Frisch schließen: „Ich habe schon öfter geträumt, dass der JAGUAR (Anschaffungspreis: 31.000 Franken) gestohlen worden ist, noch nie geträumt, dass etwa die Schreibmaschine gestohlen worden ist. Dabei wäre ich ohne Schreibmaschine in einer wirklichen Verlegenheit.“

    Ich Danke für etwaige Aufmerksamkeit und bin mit bester Empfehlung für einen sonnig heiteren Monat Juni

    Ihr Roland

    PS: Justamente erklingt im Radio Swiss Jazz das Prelude zum ersten Akt von Lohengrin der New Yorker Philharmoniker …

    #21158
    Avatar-FotoRoland
    Teilnehmer

    Im durchaus feinen Westend, in der Stadt mit den hohen Türmen kam mit dieses wunderschöne Fahrzeug vor die Linse. Ich glaube es ist im Forum nicht ganz unbekannt!

    Beziehe mich auf diesen Beitrag …

     

    #21161
    Avatar-FotoSan Remo
    Administrator

    Eine wunderbare Geschichte zwischen Wahrheit und Fiktion Herr @Roland, es hat mir viel Freude bereitet sie zu lesen. Wer allerdings dieser ominöse Ringarzt, Ferrarifahrer etc. ist, hätte ich nur zugern gewusst?

    Gehen Sie weiter mit offenen Augen durch die Metropolen der Welt und beglücken uns mit Beschreibungen und Fotos.

    Zuversichtliche Grüße San Remo


    @Max
      wo treibst Du dich denn nun so rum, dein Brudervater hat mir zwar ein paar Hinweise gegeben, aber evt berichtest Du einmal etwas darüber.

    Have fun with the motorhome    San Remo

    So lange ich hier was zu sagen habe, wird es kein Formel 1 Rennen in Bodenwerder geben! Bernie Ecclestone NZZ vom 24.07.2020

    #21162
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Lieber Herr Roland, vielen Dank für diesen feinen Exkurs in die Welt der Wichtigen und Mächtigen!

    Ich stamme ja aus kleinen Verhältnissen und meine Mutter sowie meine Großmutter ermahnten mich zeitlebens, mich nach oben zu orientieren, es nicht den Schönen und Reichen gleichtun zu wollen, denn diese seinen geprägt von der belanglosen Hoffart, sondern mich zu orientieren an den Wichtigen und Mächtigen.

    So paßt Ihr Text also wunderbar zu meinem lebenslangen Streben, was nicht völlig ohne Ergebnis geblieben ist…

    Insofern erlaube ich mir, diejenigen Textstellen, zu denen ich ein wenig Wissen beitragen kann, zu zitieren und um meine Anmerkungen zu ergänzen.

    Überhaupt könnte ich mir hier neben meinem Lieblingsfaden mit den Fotos und den dazu erfundenen Geschichten einen Faden über “Charakterköpfe und was sie wohl für Autos hielten”. In diesem Kontext könnte der Faden beispielsweise mit dem sinnieren, was das Alltagsauto von Joachim Fest in der Zeit als Herausgeber gewesen sein könnte, eröffnen. Ich behalte mir den Gedanken jedenfalls einmal vor.

    Fest, den das Privileg, ihn zu kennen, ich meinem Vater und seinen Beziehungen zur damals besten Deutschsprachigen Zeitung verdanke, fuhr einen dunkelblauen Mercedes W126, eine feine S-Klasse, ohne Typenbezeichnung und vermutlich höchstens ein 500SE, der 560 SEL wäre zu protzig für einen Mann seines Intellektes gewesen, der unvermeidliche Jaguar XJ, wie ihn nicht nur Unseld fuhr, zu ostentativ.

    (…)

    Darbovens (“früher ließ ich mich mit einer S-Klasse chauffieren, mittlerweile aber mit einem 7er aus Loyalität zum Hauptsponsor des Deutschen Galopp-Derby BMW” oder so ähnlich) halten charmanterweise täglich ein Champagner Stündchen. D.h. dass sie sich jeden Tag für eine Stunde Zeit für ein Vieraugengespräch nehmen.

    Ich stamme ja aus Norddeutschland, da haben wir es nicht so sehr mit Kaffee, auch nicht mit Kaffeeröstern aus der Bunten Illustrierten. Aber seine Anzüge sind immer ganz ok…

    (…)

    Ich habe den Spruch weiterhin so interpretiert, dass ich mich auch den Tiefen dieses schönen Forums annehmen sollte, bevor es zu spät ist.

    Unbedingt, allerdings wird es nie zu spät sein, trotz mancher per Mail übermittelter Unkenrufe aus dem Ruhrgebiet und der Schweiz!

    (…)

    (sehen Sie dazu alsbald den Beitrag “Was fuhr wohl Ignatz Bubis”).

    Eine wirklich gute Frage, ich sinniere schon den ganzen Morgen darüber!

    (…)

    Dort sah ich aus dem den Zwillingstürmen gegenüberliegenden, unscheinbaren Bürokomplex Rolf-Ernst Breuer aus der Tiefgarage fahren. Er war damals schon über 80 und – um noch die Kurve zu kriegen – steuerte eine E-Klasse. Das wirkte alles sehr anständig.

    Ich bin mir bei Ihrer Einschätzung des Verstorbenen nicht ganz sicher. Meine frühere Freundin war mit seiner Tochter gut bekannt, sie paßte nicht wirklich nach Hamburg.
    Auch wirkte er trotz aller Bräune gegen seinen großen Vorgänger Alfred Herrhausen doch ziemlich blaß…
    Und daß er im Alter ein so furchtbar mittelständisches Auto wie eine E-Klasse fuhr, läßt mich auch zweifeln.

    (…)

    In Marbach am Neckar machten wir Station bei einer Gerberei. Wie bei kleineren Firmen üblich, stand das Auto des Fabrikbesitzers auf dem ersten Parkplatz vor dem Werk. Ich gebe Brief und Siegel, dass es ein grüner Jaguar XJ (X351) war.

    Einer der Gründe, warum ich die Marke Jaguar so mag, ist die Tatsache, daß man davon ausgehen kann, daß der Eigner eines solchen Fahrzeuges in aller Regel nicht in die Strukturen eines Großunternehmens eingebunden, sondern irgendwie sein eigener Herr ist. Sei es als Unternehmer oder als „Freiberufler“. Sehr angenehm.

    (…)

    So mancher, der weder im hohen Alter noch Türme ansteuert oder von dort als Seniorpartner agiert, disloziert irgendwann ins Tegernseer Tal. Als es noch nicht regnete, sah ich dort hinter dem Gymnasium diesen wunderbaren Daimler 250 V8. Lieber Herr Servatius, teilen Sie mir doch bitte mit, wie sich diese Lackfarbe nennt?

    Lieber Herr Roland, bei der Farbe des Daimlers handelt es sich um das traditionelle „Old English White“, Klassischerweise kombiniert man es auf der Insel mit oxbloodfarbenem Leder, wäre der Farbton etwas vanilliger, wäre es die Farbe „Light Ivory“, auch sehr schön, aber mir immer etwas zu nahe am Farbton der Deutschen Kraftdroschken.

    (…)

    Max Frisch fuhr einen zwar einen Jaguar 420, kommt mir aber dennoch in den Sinn. Vielleicht wegen des Sees, auf dem kaum Segelboote sind.

    Frisch schenkte den grauen Jaguar, nachdem er Schlöndorffs Verfilmung des „Homo Faber“ gesehen hatte, kurz vor seinem Tod dem Regisseur, dieser nutzte den Wagen viele Jahre als einziges Fortbewegungsmittel, leider pflegte er die bei Intellektuellen leider sehr verbreitete Attitüde des nachlässigen Umgangs mit dem herrlichen Fahrzeug, unlängst erzählte er mir bei einem Essen beim Doyen der Berliner Kunstszene, daß er den Wagen dem Verkehrshaus in Luzern gespendet habe, er würde gerade bei Georg Dönni in der Schweiz wieder hergestellt und sei in Kürze dort zu bewundern, schade, ich hätte diesen Jaguar wirklich sehr gerne erworben!
    Hier noch ein Photos des Dichters mit dem Wagen, Frisch erwarb den Jaguar, weil sowohl sein Kollege Dürrenmatt als auch sein Verleger Unseld diese Marke bevorzugten und er nicht länger hinter den beiden Herren zurückstehen mochte, zuvor fuhren sowohl Ingeborg Bachmann als auch er einen grünen Käfer, eigentlich ganz sympathisch, Käfer und Jaguar…

    (…)

    PS: Justamente erklingt im Radio Swiss Jazz das Prelude zum ersten Akt von Lohengrin der New Yorker Philharmoniker …

    Obacht mit dem benachbarten Ausland, dort bezeichnen mehr oder minder informierte Kreise dieses Forum als „seicht“, eine Einschätzung, die ich, insbesondere nach der Lektüre Ihres Beitrages, nun gar nicht teilen mag!

    Bleiben Sie dem Forum und uns gewogen, schreiben Sie weiter hier und seien Sie herzlich gegrüßt von den Gehsteigen in Harvestehude, Grunewald, Marienburg und Bogenhausen, auf denen ich so gerne flaniere, um ab und zu einen Blick hinter die hohen Hecken zu erhaschen, Hugo.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Wochen, 1 Tag von Avatar-Fotohugoservatius. Grund: Ergänzung der Fakten zu Max Frischs Jaguar
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 5 Tage von Avatar-Fotohugoservatius.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #21163
    Avatar-FotoSan Remo
    Administrator

    ch stamme ja aus kleinen Verhältnissen

    Ja, ja, va Ihre Bekanntschaften zu gewissen Personen mit einfachem Hintergrund, (Herrhausen, Fest, Prinz Charles) untrestreichen dies eindeutig!

    So lange ich hier was zu sagen habe, wird es kein Formel 1 Rennen in Bodenwerder geben! Bernie Ecclestone NZZ vom 24.07.2020

    #21165
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    ch stamme ja aus kleinen Verhältnissen

    Ja, ja, va Ihre Bekanntschaften zu gewissen Personen mit einfachem Hintergrund, (Herrhausen, Fest, Prinz Charles) untrestreichen dies eindeutig!

    Sie wissen doch, lieber Freund, mein Name ist Krull, Felix Krull, aus Bodenwerder.

    Erinnernde Grüße, Felix.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #21167
    Avatar-FotoRoland
    Teilnehmer

    Ich möchte mich recht herzlich für den Zuspruch bedanken!

    Nachdem ich mich im Nachgang etwas intensiver mit dem Daimler beschäftigt habe bin ich mir unsicher, ob ich die Typenbezeichnung korrekt erfasst habe. Ist es eher ein 2.5? Die Namensänderung kam nach den Werksferien 1967 für das Facelift-Modell mit schmalen Stoßstangen.

    Lieber Herr San Remo, ich möchte noch verraten, dass es sich bei dem Ringarzt um ein Mitglied der Wiesbadener Oberschicht handelt. Am Briefkasten prangen wahrscheinlich nur die Initialen, wie es bei solchen Leuten üblich ist. Man sollte ihn aber nicht mit Uschi Glas verwechseln. Neulich bei einem Empfang der Konzertgesellschaft kam ich mit dem Designer Runhof ins Gespräch, der ja auch aus Wiesbaden stammt. Zunächst freuten wir uns über die Geschichte mit der Komponisten Ex-Gattin und ihrem Kingfisher-Bluen Daimler (siehe weiter oben). Das erste Auto, das ihr der Dirigent übrigens schenkte, war ein grüner Mini Cooper! Und dann kamen wir auf den gemeinsamen Freund und Ringarzt. Der Designer meinte, er sei auf der falschen Schule gewesen, habe es aber doch irgendwie geschafft, in die Clique von U. zu gelangen: “Er und seine schicke spätere Frau verkörperten damals die Jeunesse dorée von Wiesbaden …

    Lieber Max, hier nun der XJ aus der Freiherr-vom-Stein-Straße, an dem ich mich so oft erfreut habe. Von Herrn He weiß ich, dass er diesen auch einmal erspähte.

    Bei der Suche am Iphone fand ich dann noch diesen XJS aus der Stadt mit den hohen Türmen. Diesen nahm ich einmal vor dem Kolleg St. Blasien auf. Nach der Festivität, als ich zum Hotel spazierte, fuhr er durch das bereits eingeschlafene Dorf. Sicherlich zum Adler nach Häusern. Dort isst man exzellent.

    Lieber Herr Servatius, haben Sie vielen Dank für Ihre Kommentierung. Ich bin begeistert. Die Information zu Joachim Fest hat mich hochgradig gefreut. Vor kurzem las ich eine Doktorarbeit über ihn, die grundsätzlich viel Einblick bot. Für mich unverständlich wurde aber nicht auf die Auto Frage eingegangen. Nun kann ich mich zurücklehnen. Der Regen hat sich gelegt. Die Tore zum Anwesen J.C.F. öffnen sich und die Posaunen blasen zur Arie “Com’è lunga l’attesa!” aus Tosca. Die dunkelblaue S-Klasse gleitet durch die überlange Kiesauffahrt, die zum Haus hinauf führt. Die Hausvorderseite ohne Fenster, nur mit einer großen Holztüre besehen. Rückseitig wirkt die Villa eher wie ein italienisches Landhaus, viel Glas, viel Licht, wenig Türen. Ein wunderschöner Garten schmückt den Hang. Tosca spring bitte nicht! Lass uns lieber schauen, ob wir in der Bibliothek des Hausherren nicht irgendwas zu Automobilen finden. Nun, lieber Herr Servatius, vielleicht finden wir bei anderer Gelegenheit Raum uns einmal über Ceasar Pinnau zu unterhalten …

    Den Unseldschen Jaguar hielt ja Martin Walser in seinem blöden “Tod eines Kritikers” fest. Auf sein Verhältnis zu Marcel Reich-Ranicki antwortete er einmal mit einer gemeinsamen Autofahrt auf der Schwarzwaldhochstraße. MRRs Fahrstil sei wohl eine Vermeidung von Unfällen gewesen und qualifizierte ihn eindeutig zum Intellektuellen. Ein für mich ganz toller Jaguar Fahrer ist auch Walsers Freund Heribert Tenschert. Der Besuch bei ihm im letzten Sommer war eine Sternstunde. Die NZZ urteilte folgendermaßen: “Er ist ein universal gebildeter Connaisseur, ein Systematiker und Spieler zugleich, aber auch ein barocker Geniesser: Auf seinem Anwesen, das eine ehemalige Mühle samt Nebengebäuden sowie eine schlossartige Villa umfasst, die 1918 von Albrecht Sulzer erbaut wurde, beschäftigt er nicht nur einen Stab von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch einen französischen Spitzenkoch. Er ist ein Mensch in seinem Widerspruch: Mit unendlicher Geduld kann er sich über kostbare mittelalterliche Bücher beugen. Doch wenn er in seinem Jaguar über Land braust, kann einem angst und bange werden.”

    Von einem Intellektuellen ist mein Nachbar, der Gwinner Paul reicht weit entfernt – “mei Bruder hat auf die Universität dürfen und ich habe unseren Heizölvertrieb übernommenen” – sein XJ ist aber in einem, wie von Herrn Servatius angedeuteten traurigen Zustand.

    Immer wieder hat er mir versprochen, dass ich den Wagen übernehmen darf. Aber es ist dann regelhaft wieder eines seiner vielen Kinder (“Mei, mir sind in den Urlaub immer nach Italien gefahren, des war halt praktisch mit de Kind”) in Scheidung und benötigt und besudelt den Wagen. Ich hoffe aber inständig, dass es irgendwann einmal heißt “wie ich Hilfe aus Berlin beim Putzen eines Jaguars erhielt”.

    Der Gwinner Paul hält auch noch ein grünes E-Type Cabriolet. Wenn ich Strohwitwer bin, fahren wir damit im Sommer manchmal zum Italiener am Tennis Club (“mei, Italien halt”). Der Gwinner Paul entspricht dann wohl eher dem unabhängigen Unternehmer. In distinguierterer Form ist das ja auch der Vater von Willi Säuerlich aus TKKG. Der Jaguar des Schokoladenfabrikanten tritt dort regelmäßig in Erscheinung. Auch meine ich mich zu erinnern, dass der Frankfurter Anwalt Edgar Liebbrucks Caspar David Friedrichs „Nebelschwaden“ in einem Jaguar treuhänderisch an die Schirn transportierte …

    Im Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Thomas Bernhard erfuhr ich, dass Herrhausens Vorgänger Wilfried Guth mit Thomas Bernhard befreundet war. Auch charmant. Bernhard las an Guths 60. Geburtstag Gedichte. In Unselds Reiseberichten steht wiederum, dass Max Frisch ihm Schäbigkeit vorwarf, dass Unseld ihn an seinem 60. Geburtstag zum Lunch in New York lediglich ins Sardi einlud. Dies werde er auch seinem Freund Habermas erzählen.

    An anderer Stelle stellte ich einmal die Überlegung auf, was Habermas wohl fährt. Einer, der ihn besser kennt, erzählte mir dann zu meiner Enttäuschung, dass es eine S-Klasse (W220) sei. Dann sah ich den bekannten Architekt, der das Haus Habermas entwarf, und selbst in einem der tollsten Häuser Schwabings (Gwinner Paul: „Mei mir wohnen nicht wegen irgendeinem Lebensgefühl hier, mir sind in Schwabing weil mir immarad scho do waren!“) residiert, in einer silbernen W221 S-Klasse herumdüsen. Wieder Ernüchterung. Seine Gattin fährt coolerweise immerhin Smart.

    Das Büro sitzt in einem schönen Neurenaissancehaus, in dessen Beletage mein schrulliger Freund H. wohnt. Ich versuche, ihn regelmäßig für das Forum zu gewinnen. Bisher nutzt er das Internet aber scheinbar nur um Autos zu kaufen. Er hat eine ganz tolle Autosammlung: diverse E-Types und Maseratis und Ferraris aus der Zeit. “Mit dem Jensen Interceptor fahre ich samstags zum Einkaufen; dafür ist er perfekt”. Auch er ist ein Freiberufler …

    Am Donnerstag wurden bei einer Auktion bei Grisebach übrigens einige Kunstwerke, auch Skulpturen aus der Sammlung von Wolf Jobst Siedler versteigert. Da habe ich das Spiel bereits weitergespielt. Was er wohl fuhr? Im Auktionskatalog heißt es: “Bei alldem gab es nur eine Konstante: Wolf Jobst Siedlers untrügliches Gespür für Qualität.” Ich nehme an, dass er im Auftreten unprätentiöser war als sein Kollege in Frankfurt. Beim kleineren Siedler Verlag gab es einstweilen eventuell auch was zum Anpacken. Für Bücherkisten und kleine Skulpturen eignet sich nachgerade als Familienvater doch sicher ein T Modell? “Lieber Wolf Jobst junior, sei so gut, und besorge nach dem Tennis Geranien und Erde beim Pluta Gartencenter. Und dann ziehe Dir bitte ein vernünftiges Hemd an!”.

    Weitergrübelnde Grüsse

    Roland

    #21169
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Einschub: Literaten und ihre Kraftfahrzeuge…

    Max Frisch fuhr einen zwar einen Jaguar 420, kommt mir aber dennoch in den Sinn. Vielleicht wegen des Sees, auf dem kaum Segelboote sind. Frisch schenkte den grauen Jaguar, nachdem er Schlöndorffs Verfilmung des „Homo Faber“ gesehen hatte, kurz vor seinem Tod dem Regisseur, dieser nutzte den Wagen viele Jahre als einziges Fortbewegungsmittel, leider pflegte er die bei Intellektuellen leider sehr verbreitete Attitüde des nachlässigen Umgangs mit dem herrlichen Fahrzeug, unlängst erzählte er mir bei einem Essen beim Doyen der Berliner Kunstszene, daß er den Wagen dem Verkehrshaus in Luzern gespendet habe, er würde gerade bei Georg Dönni in der Schweiz wieder hergestellt und sei in Kürze dort zu bewundern, schade, ich hätte diesen Jaguar wirklich sehr gerne erworben!

    Noch ein kleiner Nachtrag zum Jaguar der Herren Frisch und Schlöndorff, im Februar 2013 parkte der Wagen an der Neuen Kantstraße, nahe des Lietzensees, hier befindet sich unter anderem das Büro der Filmproduzentin Regina Ziegler, es war, wie man auf den Photos sehen kann, ein schmutziger, naßkalter Wintertag, Reste von Schnee lagen am Straßenrand und die Autos sahen teilweise aus wie eine Dorade in Salzkruste, den Regisseur schreckte das nicht wirklich, er hatte den Jaguar über die Avus von Babelsberg nach Berlin gelenkt, das Auto sah bemitleidenswert aus, der Anblick tat in der Seele weh.

    Der Regisseur reagierte nicht auf meine schriftliche Bitte um Kontaktaufnahme, die ich hinter den Scheibenwischer geklemmt hatte, einige Zeit später sah ich den Wagen noch einmal in der Werkstatt von Michael Groß im Meilenwerk stehen und wie berichtet, erzählte mir Schlöndorff unlängst, daß der Wagen nunmehr im Verkehrshaus in Luzern stehe, wahrscheinlich ist es besser so, dennoch hätte es mir gut gefallen, mich an der Restaurierung des Wagens zu ruinieren und dann irgendwann mit dem Fahrzeug, auf der Hutablage die verblichene Erstausgabe des „Homo Faber“ aus der Bibliothek meiner Eltern sowie eine Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung vom 4. April 1991, nach Zürich zu reisen, um im Freibad Letzigraben ein Eis essen zu gehen und dabei die beiden erwähnten Druckerzeugnisse zu studieren.

    Es wäre eine schöne Verbindung meiner Leidenschaft für Britische Automobile, für Schweizerische Architektur und das Werk Max Frischs gewesen…  Nun gut, ich tröste mich mit regelmäßigen Fahrten im Jaguar des großen Alfred L., auf der Hutablage eines seiner literarischen Alterswerke, in sein Landhaus im Norden.

    Und wo wir gerade bei Jaguar-fahrenden Schriftstellern sind: Halldór Laxness, der erste und meines Wissens nach bislang auch einzige Isländische Literatur-Nobelpreisträger, war, wie Frisch, eher sozialistischen Ideen zugetan, was ihn aber nicht davon abhielt, vom Preisgeld des Nobelpreises eine Villa im Stil der Isländischen Moderne errichten zu lassen und, was Wunder, einen Jaguar zu erwerben!

    Das Haus und das davor geparkte Auto kann man besichtigen, in der Villa befindet sich das Laxness-Museum, wirklich sehenswert, man stelle sich Ende der fünfziger Jahre einen Großschriftsteller im weißen Jaguar vor, der auf der damals noch recht wenig erschlossenen Insel seine politischen Thesen gegen die Stationierung Amerikanischer Truppen verbreitete…

    Literarisch wesentlich näher steht mir allerdings der große Thomas Bernhard, seine Vierkanthöfe gehören zu den schönsten  Schriftsteller-Wohnsitzen überhaupt, seine Liebe zu den Anzügen von Knize in Wien teile ich vollumfänglich und sein literarisches Werk ist für mich absolut unerreicht.

    Allerdings teile ich seinen Autogeschmack nicht, den Mercedes W123 fand ich immer eher reizlos, andererseits paßt dieses unaufgeregte Qualitätsfahrzeug im von ihm bevorzugten Farbton „Tannengrün“ sehr gut zu ihm, ein Jaguar wäre viel zu prätentiös gewesen, schon in dem zuvor von ihm gefahrenen Triumph Herald kann ich mir diesen Großmeister der Deutschen Sprache schwer vorstellen.

    Der Literatur sich durchaus verbunden fühlende Grüße, Hugo.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #21170
    Avatar-Fotohugoservatius
    Administrator

    Ich möchte mich recht herzlich für den Zuspruch bedanken! Nachdem ich mich im Nachgang etwas intensiver mit dem Daimler beschäftigt habe bin ich mir unsicher, ob ich die Typenbezeichnung korrekt erfasst habe. Ist es eher ein 2.5? Die Namensänderung kam nach den Werksferien 1967 für das Facelift-Modell mit schmalen Stoßstangen.

    Lieber Herr Roland, in der Tat handelt es sich um einen Daimler 250 V8, ab Herbst 1967 wurde der Wagen leicht überarbeitet, erhielt die wesentlich unattraktiveren, schmalen Stoßstangen und erhielt – höchst kreativ – einen neuen Namen: Daimler V8 250, was sich die Jaguar-Marketingabteilung dabei gedacht hatte, erschließt sich mir jedenfalls nicht…

    Lieber Herr Servatius, haben Sie vielen Dank für Ihre Kommentierung. Ich bin begeistert. Die Information zu Joachim Fest hat mich hochgradig gefreut. Vor kurzem las ich eine Doktorarbeit über ihn, die grundsätzlich viel Einblick bot. Für mich unverständlich wurde aber nicht auf die Auto Frage eingegangen. Nun kann ich mich zurücklehnen. Der Regen hat sich gelegt. Die Tore zum Anwesen J.C.F. öffnen sich und die Posaunen blasen zur Arie “Com’è lunga l’attesa!” aus Tosca. Die dunkelblaue S-Klasse gleitet durch die überlange Kiesauffahrt, die zum Haus hinauf führt. Die Hausvorderseite ohne Fenster, nur mit einer großen Holztüre besehen. Rückseitig wirkt die Villa eher wie ein italienisches Landhaus, viel Glas, viel Licht, wenig Türen. Ein wunderschöner Garten schmückt den Hang. Tosca spring bitte nicht! Lass uns lieber schauen, ob wir in der Bibliothek des Hausherren nicht irgendwas zu Automobilen finden. Nun, lieber Herr Servatius, vielleicht finden wir bei anderer Gelegenheit Raum uns einmal über Ceasar Pinnau zu unterhalten …

    Tatsächlich denke ich, daß eine solche S-Klasse wie der W126 perfekt zu Joachim Fest paßte, wie auch die Villa von Caesar Pinnau, der übrigens bis ins hohe Alter einen perfekten Mercedes 280 SL, den wunderschönen „Pagoden-SL“, fuhr, nach seinem Tod nutzte seine Witwe, Ruth Pinnau,  den Wagen weiter.

    Ja, und über Pinnau sollten wir unbedingt ein Gespräch führen, ich kannte ihn noch persönlich, eine auf jeden Fall interessante Persönlichkeit, ich werde mich zeitnah vorbereiten!

    An anderer Stelle stellte ich einmal die Überlegung auf, was Habermas wohl fährt. Einer, der ihn besser kennt, erzählte mir dann zu meiner Enttäuschung, dass es eine S-Klasse (W220) sei.

    …was aber irgendwie auch wiederum paßt, aus meiner Sicht jedenfalls, leider. Ich mochte den W220 nie.

    Dann sah ich den bekannten Architekt, der das Haus Habermas entwarf, und selbst in einem der tollsten Häuser Schwabings residiert, in einer silbernen W221 S-Klasse herumdüsen. Wieder Ernüchterung. Seine Gattin fährt coolerweise immerhin Smart.

    Das scheint der Gang der Welt zu sein, einer der beiden Partner fuhr tatsächlich früher einen Jaguar XJ, Tempi passati, damals war auch noch nicht der Ex-Schwiegersohn eines der Bürogründer am Ruder und die Entwürfe von wirklicher Qualität.

    Am Donnerstag wurden bei einer Auktion bei Grisebach übrigens einige Kunstwerke, auch Skulpturen aus der Sammlung von Wolf Jobst Siedler versteigert. Da habe ich das Spiel bereits weitergespielt. Was er wohl fuhr? Im Auktionskatalog heißt es: “Bei alldem gab es nur eine Konstante: Wolf Jobst Siedlers untrügliches Gespür für Qualität.” Ich nehme an, dass er im Auftreten unprätentiöser war als sein Kollege in Frankfurt.

    Langsam wird es mir unheimlich, eben dachte ich an den großen Siedler, ich bewunderte ihn über alle Maßen und genoß jede Minute, die ich das Privileg hatte, mit ihm zu sprechen oder ihm zuzuhören, ich liebte sein vornehm-bescheidenes Haus in Dahlem und natürlich fuhr er ein angemessenes Fahrzeug, nein, keinen Jaguar, natürlich keine S-Klasse, nein, er fuhr einen 7er-BMW der Baureihe E32, natürlich nicht als Zwölfzylinder und natürlich in einem gedeckten Farbton, ich glaube mich zu erinnern, daß der Wagen unischwarz war, mit schwarzen Lederpolstern und sehr gepflegt.

    Sich nunmehr weiteren Recherchen zu besonderen Persönlichkeiten und ihren Automobilen widmende Grüße, Hugo.

    „Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“

    #21199
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    Ja, und über Pinnau sollten wir unbedingt ein Gespräch führen, ich kannte ihn noch persönlich, eine auf jeden Fall interessante Persönlichkeit, ich werde mich zeitnah vorbereiten!  Langsam wird es mir unheimlich, eben dachte ich an den großen Siedler, ich bewunderte ihn über alle Maßen und genoß jede Minute, die ich das Privileg hatte, mit ihm zu sprechen oder ihm zuzuhören, ich liebte sein vornehm-bescheidenes Haus in Dahlem und natürlich fuhr er ein angemessenes Fahrzeug, nein, keinen Jaguar, natürlich keine S-Klasse, nein, er fuhr einen 7er-BMW der Baureihe E32, natürlich nicht als Zwölfzylinder und natürlich in einem gedeckten Farbton, ich glaube mich zu erinnern, daß der Wagen unischwarz war, mit schwarzen Lederpolstern und sehr gepflegt.

    Ganz Wunderbar. Zwischenzeitlich habe ich nochmals in Siedlers Erinnerungsbände “Ein Leben wird besichtigt: In der Welt der Eltern” sowie “Wir waren noch einmal davongekommen” hineingesehen. Das bescheidene Dahlemer Haus findet jeweils diverse Erwähnung … Weil es oben ja auch stets etwas um die Deutsche Bank geht folgt ein Lektüre Symbolbild des F. Wilhelm Christians:

    Auch fand ich dieses Foto von Siedler samt hinkünftiger Gattin im BMW 328 von Hans Meyerhoff. Eventuell bildete sich in dieser Zeit eine Verbundenheit zu dieser Marke:

    In Susanne von Meiss “Berlin ganz privat” las ich dann, dass in Siedlers Wintergarten ein antikes englisches Offiziersreisebett, das mit einem von Walter Gropius entworfenen Stoff bezogen wurde, stand. Das wäre ja auch Stoff für Ihren Freund Robert. Wie auch Siedlers Schwärmerei für das großbürgerliche Haus einer Erbtante in Köln …

    Die Vorstellung an einem regnerischen, oder lieber noch verschneiten, Adventssonntag mit meinem Neffen „Einlieferung bei Grisebach“ mit Modellautos nachzuspielen stelle ich mir recht sophisticated vor. Modell der Villa Grisebach, Rückansicht:

    Die spielerische Freiheit ließe es auch zu Hermann Josef Abs Villa Ter Meer nach Potsdam zu setzen um über die Avus einzuliefern.

     

    Mit fürs Telefon dankende Grüße

    F. Roland Christians

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