Willkommen bei ClassicPassion Foren ClassicPassion Forum Ich packe meinen Koffer und nehme mit – Die Wanderbriefe der ClassicPassionisten Antwort auf: Ich packe meinen Koffer und nehme mit – Die Wanderbriefe der ClassicPassionisten

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„Die wahren Abenteuer sind im Kopf – und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.“, so heißt es in meinem Lieblingslied meines alten Freundes André Heller.

Was könnte besser passen zu unserer derzeitigen Situation?

Und so mache ich meine Reisen in der Phantasie, die Fahrt auf die nördlichste Nordseeinsel im XJSC, das vergnügliche Warten auf die Autoverladung in Niebüll, der erste Apérol Spritz im Odin, die nächtliche Fahrt im offenen Wagen von List zurück nach Keitum, das funkelnde Meer am Ellenbogen und der feine Sand an der Buhne 16. Das Abendessen bei Johannes King, die kultivierte Langeweile beim Betrachten des Meeres von der Veranda des Fährhauses Munkmarsch, das leichte Frösteln nach einem kurzen Bad in der Nordsee, der unvergleichliche Sternenhimmel und die Mondlandschaft zwischen Kampen und List. Wie mir das alles fehlt!

Die andere Reise, die ich gerade in meiner Phantasie ausarbeite, führt zunächst nach München, dort das Wiedersehen mit meinen Freunden A. und J. und der Besuch bei T. und W., der Negroni im Schumanns, der Lunch in der Bar Giornale, ein kleiner Einkauf bei Ed. Maier, dann bei formula gt  die Giulia abholen, das Gepäck verstauen und über die Landstraßen Richtung Linz starten, auf dem Weg eine kleine Rast in einem Landgasthof, Weißwürste, süßer Senf und – ja, ich weiß, das gehört sich nicht, dennoch – eine Weißweinschorle, danach die kleine, röhrende Italienerin wieder starten und unter dem Applaus der Einheimischen wieder auf die Landstraße einbiegen, Abends ein Essen mit funkelnder Konversation mit J. in Linz, kleine Stadtbesichtigung am nächsten Tag, weiter über die Landstraßen nach Bad Ischl, schon wegen André Hellers Lied „Sommer 1949 in Bad Ischl“, dann über die Alpen in den Sehnsuchtsort, nach Bozen, ins wundervolle Hotel Laurin, das Abendessen im Park, kühler Sauvignon Blanc von Josephus Mayer im beschlagenen Glas, endlich unsere Freunde D. und D. wiedersehen, der Apéro auf der Terrasse ihres Hauses in den Weinbergen, bei Oberrauch Zitt einen Janker und ein Hemd kaufen und von der Terrasse der Kaiserkron das Leben auf den Straßen beobachten, im Sale & Tabacci am Waltherplatz die Quattroroute Classiche holen und versonnen die Bilder betrachten und sich den Text mit dem rudimentären Schullatein zusammenreimen, der Ausflug in die wunderbare Krone nach Aldein, der Anblick der Giulia auf einem der schönsten Plätze Südtirols, der Besuch in Terlan um Wein zu bestellen, in Abwandlung von Hemingway: Südtirol, ein Fest für‘s Leben!

Dann den Wagen bei den Freunden lassen und mit der Eisenbahn weiter in die Serenissima, die Wohnung am Guidecca-Kanal beziehen, durch die Gassen schlendern, wie immer Peggy Guggenheim besuchen und danach im Ai Gondoliere Risotto essen, am nächsten Tag endlich bei Venini die Vase von Carlo Scarpa bestellen und dann, Pflichtprogramm, zuerst in den Olivetti-Showroom am Marcusplatz und danach zu Cipriani, der Tisch rechts am Fenster im Obergeschoß, danach ein etwas mühevoller Spaziergang durch die feuchtwarme Stadt und eine unruhige Erholung bei halb geschlossenen Schlagläden und der Lektüre von Ortheils neuem Hemingway-Venedig-Roman, nur keine Zeit vertun in dieser wundervollen, absurden, überlaufenen, melancholischen und grandiosen Stadt, abends dann im Da Rioba Polenta und Fisch essen und sich wünschen, nie wieder zurück zu müssen…

Fortsetzung folgt.

„Also, ich mußte wieder auf ein paar Tage nach Bodenwerder. Meine Mutter wollte mich dringend sprechen. Sie hatte angerufen, ich solle doch bitte mal rasch kommen, es war ganz unheimlich gewesen am Telefon.“