Willkommen bei ClassicPassion Foren ClassicPassion Forum Außergewöhnliche Ausfahrten mit außergewöhnlichen Automobilen Antwort auf: Außergewöhnliche Ausfahrten mit außergewöhnlichen Automobilen

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Pfingsten im Rheingau – oder: Wie wir nach Assmannshausen fuhren, um eine Handtasche zu bewundern…

Die unermüdliche Arbeit, die Herr Remo und ich in dieses Forum investieren, bedarf von Zeit zu Zeit auch des persönlichen Austausches zwischen uns, damit hier nix schief geht und ich nicht zu viel Unfug poste. So kam es, daß wir unser allererstes ClassicPassion-Arbeitsgespräch trotz Social Distancing anberaumt hatten und da sowohl das NetJets-Abo von Herrn Remo als auch meines leergeflogen war, entschieden wir uns für die Anreise mit dem Kraftwagen, als Ort wählten wir ungefähr den halben Weg zwischen Bonn, wo Familie Servatius das Pfingstfest verbrachte, und der Villa Remo in Wiesbaden, nämlich den zauberhaften Ort Assmannshausen im Rheingau und dortselbst das erste Haus am Platze, das Hotel Krone, früher eine Ikone der Gastronomie der Bonner Republik, zu diesen Zeiten ebenso frequentiert von den profilierten Politikern jener Jahre wie von den bedeutenden Bankern aus der Stadt des Geldes und natürlich von jedweder Art von High-Society der alten Bundesrepublik.

In den den Jahren nach dem Regierungsumzug ging es etwas bergab mit diesem wunderbaren Haus, irgendwann wurde es geschlossen, aber seit ungefähr zwei Jahren ist es unter neuer Leitung wieder eröffnet und man arbeitet hart daran, an die alten Zeiten wieder anzuschließen, es ist ein magischer Ort mit großer Geschichte, wie so viele Häuser der Grand Hotellerie und Grand Cuisine hat auch die Krone damit zu kämpfen, daß sich nicht nur die Zeiten, sondern auch das Publikum gewandelt hat, die Protagonisten der Deutschland AG werden ebenso wie die Vertreter der „besseren Gesellschaft“ der sechziger, siebziger, achtziger und neunziger Jahre immer weniger, das unaufgeregt-Noble eines solchen Traditionshauses wurde abgelöst durch die Event-Kultur der Gegenwart, den Show-off eines ihren scheinbaren Wohlstand ostentativ präsentierenden Seven-Jeans-und-Gucci-Sneaker-Sets, der sich in Design-Hotels mit Wellness-Landschaft eher zu Hause fühlt als an Orten des anspruchsvollen Bürgertums.

Kurz: Das Hotel Krone ist ein wunderbarer, magischer Ort aus einer anderen Zeit und unsere Reise war so auch ein bißchen eine Reise in die Vergangenheit, als im Rhein-Main-Gebiet Geld und Macht, in Hamburg Medien und Werbung, in München geschiedene Zahnarztgattinnen und Franz Josef Strauß und in Berlin Soziologie-Student*innen und schlechte Immobilienspekulanten den Ton angaben.

Wir starteten mit Saabine von Bonn aus und fuhren bei allerfeinstem Ausflugswetter mit offenem Verdeck durch das Rheintal, vorbei an sagenhaften Orten wie dem Rolandsbogen, der nicht mehr existenten Brücke von Remagen, bis nach Bad Breisig, von wo wir den Rhein mit der Fähre überquerten um in Leutesdorf auf der Rheinterrasse des Leyscher Hofs ein Viertel des örtlichen Rieslings zu trinken und ein illustriertes Käseschnittchen zu genießen, dazu der Blick auf den großen, alten Strom mit seinen Binnenschiffen, eine sehr Deutsche und ganz wundervolle Landschaft, wie sie unzähligen Modelleisenbahnern als Vorbild bei der Anlage ihrer Märklin-Bahnen diente.

Von Leutesdorf ging es angemessen zügig weiter Richtung Koblenz, um ein pünktliches Eintreffen am Zielort zu gewährleisten, entschlossen wir uns, ein Stück Autobahn, wieder auf der anderen Rheinseite, zu fahren, allerdings hatten wir die Rechnung ohne den Coronavirus gemacht, denn aufgrund des stark zurückgegangenen Ausflugsverkehrs fuhren die Rheinfähren kaum beziehungs eher unregelmäßig, glücklicherweise erreichten wir noch die letzte Fähre Richtung Lorch, dann war es nur noch ein Katzensprung bis Assmannshausen, wo das Ehepaar Remo schon auf der Terrasse beim Champagner saß.

Natürlich mußten Herr Remo und ich einmal um die Autos herumschleichen, wir taten es möglichst unauffällig in dem wir vorgaben, irgendwelche Büchertüten vom einem in das andere Auto umzuladen, nachhaltig beeindruckend war nicht etwa der exzellente Pflegezustand des Roten Phänomens, sondern die hinreißende, lilafarbene Handtasche von Frau Remo auf dem hellen Ledersitz des roten Sportwagens…   Alleine dafür lohnte die Reise in den Rheingau und es ist nur meiner Diskretion geschuldet, daß ich das entsprechende Photo unterschlage!

Die Terrasse der Krone ist ein wirklich wundervoller Ort, aber mit Herrn Remo und seiner Frau Gemahlin könnte man sich auch im Schnellimbiß treffen und es wäre ein unvergeßlicher Abend! Das Essen war gut, die Getränke und der Service ausgezeichnet und so wurde der Abend das Highlight des Pfingstfestes, Saabine hatte sich in Bonn bei Aral noch schön gemacht für das Rendezvous, die schöne, kühle Schwedin verstand sich offensichtlich gut mit dem sinnlich-heiseren Italiener…

Die Rückfahrt im letzten Abendlicht entlang des burgengesäumten Flusses war das i-Tüpfelchen auf einer herrlichen Ausfahrt.

Und so haben Herr Remo und ich beschlossen, daß wir sehr zeitnah ein weiteres Arbeitstreffen planen müssen, über den angemessenen Ort denken wir noch nach, die unvermeidlichen, nicht ganz unerheblichen Restaurantrechnungen erlauben wir uns, am Jahresende auf unsere Mitforisten umzulegen…

Grüße aus der Welt von gestern, Hugo.

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